01.09.2004

Immer mehr Deutsche in der Schuldenfalle

Noch nie wurden Schuldnern in Deutschland innerhalb von sechs Monaten mehr Eidesstattliche Versicherungen (EV) abgenommen als im ersten Halbjahr 2004. Insgesamt 554.523 "Offenbarungseide" mussten Schuldner leisten. Das sind 6,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders rasant verlief die Entwicklung in den neuen Bundesländern. Dort stieg die Zahl der privaten Insolvenzen um 18,5 Prozent auf 104.178 Fälle. Im Westen ergab sich ein Anstieg um 4,4 Prozent auf 450.345 Schuldner. Zu diesen Ergebnissen kam die Wirtschaftsauskunftei Bürgel in einer gestern veröffentlichten Studie.

Große Unterschiede gibt es bei den privaten Neuverschuldungen zwischen den einzelnen Bundesländern. An der Spitze liegt Mecklenburg-Vorpommern mit einem Plus von 72,6 Prozent auf 14.906 Fälle, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 45,8 Prozent mehr Insolvenzen und insgesamt 19.248 Fällen. Platz drei belegt Nordrhein-Westfalen. Hier verschuldeten sich 19,2 Prozent mehr Menschen als noch im Vorjahr. Damit stieg die Zahl der Schuldner auf 139.212. Rückgänge gab es dagegen in Bremen (minus 20,2 Prozent), Hamburg ( minus 16,0 Prozent) und Rheinland-Pfalz ( minus 12,9 Prozent).

Mit Hartz IV werde sich das Schuldenkarussell noch schneller drehen, so der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) in der Berliner Zeitung. Nur eine rechtzeitige Beratung könne den Sturz in die Schuldenfalle verhindern. Problematisch sei aber, dass sich das Beratungsangebot aufgrund der schlechten Haushaltslage immer weiter verschlechtere. Mitverantwortlich für die Schulden seien auch die Händler, die mit immer neuen „günstigen“ Angeboten lockten. Kunden unterschätzen oft die Zinslast, die beim Kauf mit Kredit anfällt. (cu)

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