Acht von zehn Kreditinstituten in Deutschland
wollen das Studenten-Banking weiter ausbauen. Dabei beabsichtigen die
Finanzdienstleister, den angehenden Hochschulabsolventen mit
Studienkrediten unter die Arme zu greifen. Sie reagieren damit auf
die Ankündigung zahlreicher Bundesländer, ab 2007 Studiengebühren
einzuführen. Fast sieben von zehn Banken rechnen insbesondere in
diesem Segment mit guten Ertragschancen. Das ergibt die Studie
"Banking Trend", die von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit
mit ibi research und dem Bankmagazin durchgeführt wurde.
Das Marktpotenzial scheint enorm: So soll die Zahl der
Studierenden in Deutschland bis 2013 um 500.000 auf bis zu 2,7
Millionen steigen. Mehr als jeder dritte Student kann sich
vorstellen, einen Kredit aufzunehmen. Bei einem durchschnittlichen
Darlehensbedarf von rund 12.600 Euro je Student dürfte der Umsatz mit
Studienkrediten auf rund elf Milliarden Euro steigen. Beim Vertrieb
der Studiendarlehen haben die Banken die Wahl zwischen eigenen
Produkten und der Vermittlung von Krediten der staatlichen
Bankengruppe KfW. Die deutliche Mehrheit (94 Prozent) hat sich dabei
für hauseigene Angebote entschieden.
Die Produkte werden dabei sowohl neu erstellt (54,3 Prozent) als
auch durch Variationen vorhandener Angebote (45,7 Prozent)
entwickelt. Fast zwei von drei Kreditinstituten setzen auf variable
Zinssätze über die Laufzeit. Nur jeder Dritte will das Angebotspaket
mit festen Konditionen schnüren. Geht es um die Rückzahlung, zeigen
sich die Banken weniger flexibel. So halten zwei Drittel der
Finanzdienstleister feste Rückzahlungszeiten für sinnvoll. Die Hälfte
der Befragten erwartet die erste Rate spätestens ein Jahr nach Ende
des Darlehensbezugs. Zwei von fünf Kreditinstituten geben den
angehenden Akademikern ein Jahr und länger Zeit.
Allerdings sehen fast zwei Drittel der Institute von Krediten ab,
die den gesamten Lebensunterhalt der Jungakademiker finanzieren.
Grund für die Zurückhaltung sind vor allem fehlende Markterfahrungen
auf dem Gebiet der Studienfinanzierung (36,2 Prozent). Zudem halten
zwei Drittel der Finanzdienstler einen Produktstart jederzeit für
möglich, da regelmäßig Neukunden gewonnen werden können. Die Hälfte
der Banken beabsichtigt daher den "neuen Markt" zunächst zu
beobachten und entsprechende Produkte später zu platzieren. Das
Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Führungskräfte von morgen ist
dennoch groß.
Fast sieben von zehn Banken schätzen das Risiko, dass der Student
den Kredit nicht zurückzahlen kann, im Vergleich zum
Konsumentenkredit geringer oder gleich hoch ein. Am optimistischsten
sind die Privatbanken. Mehr als zwei von fünf schätzen das Risiko
eines Kreditausfalls im Vergleich zum klassischen Konsumentenkredit
geringer ein. Drei von vier Finanzdienstleistern wollen für den
Studentenkredit daher keine Bürgschaft verlangen. Zudem wird von
speziellen Modellen der Risikobewertung abgesehen. So soll das Risiko
des Darlehens lediglich nach Standardverfahren (43,5 Prozent) wie
beim Privat-Banking sowie Studentenverfahren (39,1 Prozent) bewertet
werden. "Mit einem entsprechenden Bewertungsmodell lässt sich das
Ausfallrisiko mit hoher Sicherheit berechnen und die neue Zielgruppe
ohne große Risiken erschließen", so Lars Hinrichsen von Steria
Mummert Consulting.
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