Die Steuerreformen der vergangenen Jahre haben in Deutschland die Ungleichheit eher verstärkt. Nach einer OECD-Studie haben Personengruppen mit niedrigem und durchschnittlichem Einkommen sowie Familien weniger von den Entlastungen profitiert als Alleinstehende mit hohem Einkommen, berichtet die Financial Times Deutschland (FTD).
Nach OECD-Angaben sanken die Abzüge vom Bruttolohn in Deutschland insgesamt zwar leicht, liegen aber immer noch um rund ein Drittel über dem OECD-Schnitt. Mit steigendem Einkommen schrumpfe dieser Abstand zum OECD-Mittel jedoch. Anders formuliert: Wer in Deutschland unterdurchschnittlich verdient, wird überdurchschnittlich belastet.
Besonders weit über dem OECD-Durchschnitt liegt die Abgabenlast für alleinerziehende Geringverdiener in Deutschland. So ist eine Alleinerziehende mit zwei Kindern und nur zwei Dritteln des Durchschnittseinkommens hierzulande rund 20 Prozent stärker belastet als im Schnitt der OECD-Länder. Sie muss heute sogar mit leicht höheren Abzügen leben als im Jahr 2000. Die Belastung stieg um 0,8 Prozentpunkte auf 21,1 Prozent.
Das Prinzip, Einkommen ab einer bestimmten Höhe nicht mehr prozentual zu belasten, welches sich sowohl in der Senkung des Spitzensteuersatzes als auch der Kappung der Sozialabgaben für hohe Einkommen zeige, habe die soziale Ungleichheit verstärkt, so die OECD. Sie plädiert deshalb dafür, in Deutschland Sozialleistungen stärker über Steuern zu finanzieren und niedrige Arbeitseinkommen zu entlasten.
Trotz der im OECD-Vergleich hohen Belastungen von durchschnittlichen Arbeitseinkommen sind die Gesamteinnahmen des Staates aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen vergleichsweise gering. So lag 2004 der Anteil der Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen im OECD-Mittel bei 35,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in Deutschland nur bei 34,7 Prozent. Das liegt nach OECD-Einschätzungen daran, dass es in Deutschland gerade für Gutverdiener, Selbstständige und Unternehmer eine Reihe von Schlupflöchern gibt, die die effektive Steuerlast erheblich mindern.
Diese Schlussfolgerungen gehen aus den jüngsten Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Steuer- und Abgabenlast im Jahr 2006 hervor. Die OECD hat dabei acht Haushaltstypen mit Unterschieden in Einkommen, Familienstand und Kinderzahl verglichen.
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