Die Zahl der Betrugsfälle mit gestohlenen oder gefälschten EC-Karten hat sich in Deutschland 2007 fast verdoppelt. Das gab die Euro Kartensysteme GmbH in Frankfurt am Main bekannt. Das ist eine Einrichtung der deutschen Kreditwirtschaft, die sich unter anderem um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten kümmert.
Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge ging die Zahl der zwischen Anfang Januar und Ende November gestohlenen EC-Karten (Maestro-Karten) 2007 leicht zurück, während sich die Zahl der Fälschungen fast verdoppelte: In den ersten elf Monaten des Jahres 2007 wurden in der Bundesrepublik fast 10.400 EC-Karten gefälscht. Waren darunter insgesamt 727 Fälle, in denen Geldautomaten oder Zahlungsterminals manipuliert wurden, um an die Kartendaten von Kunden zu kommen. Im gesamten Vorjahr waren 753 Fälle bekannt geworden, 2005 genau 502.
Besonders häufig sind Geldautomaten betroffen: 405 dieser Geräte wurden 2007 von Kriminellen in Deutschland präpariert, davon viele an Wochenenden und an stark frequentierten Orten. Laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bringen die Täter zum Beispiel einen Plastikaufsatz auf dem Karteneinzugsschlitz an, der für ahnungslose Nutzer kaum zu erkennen ist. Dieser kopiert den Magnetstreifen jeder EC-Karte, die in den Einzug gesteckt wird. Durch eine heimlich installierte Mini-Kamera über dem Automaten spähen die Täter dann die Geheimzahlen ihrer Opfer aus.
Eine andere Variante: Über ein Imitat auf der echten Tastatur könne die Geheimnummer unbemerkt gespeichert und per Funk direkt an die Täter weitergeleitet werden. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) rät deshalb, auf Auffälligkeiten bei Bankautomaten oder deren Umgebung zu achten und im Zweifelsfall das Abheben abzubrechen. Außerdem sollte man das Tastenfeld stets mit der freien Hand verdecken, während man die PIN eingibt. Wenn am Eingang verlangt wird, zur Türöffnung die PIN einzugeben, ist Misstrauen geboten: Das wird von den Banken nicht verlangt.
"Die Kriminellen verlagern sich zunehmend darauf, die Daten von Bankkunden auszuspähen und die Datensätze auf gefälschte Plastikkarten zu kopieren", kommentierte Hans-Werner Niklasch, Geschäftsführer bei Euro Kartensysteme, die Zahlen. Dadurch kämen die Betrüger im Ausland direkt an Bargeld, ohne dass die Karteninhaber davon sofort etwas merken – sie haben ihre EC-Karte ja immer noch bei sich und bemerken von dem Datenklau nichts, wenn sie "nicht ständig die Kontoauszüge kontrollieren und nicht plausible Umsätze registrieren", sagte Niklasch. Im Inland verhindere dagegen ein spezielles Sicherheitssystem das Abheben von Bargeld mit gefälschten Maestro-Karten.
Der Gesamtschaden durch Kartenbetrug und Diebstahl von EC-Karten erhöhte sich jedoch kaum: Wie 2006 erbeuteten Betrüger in Deutschland einen zweistelligen Millionenbetrag. Margit Schneider, Leiterin des Sicherheitsmanagements für Zahlungskarten bei Euro Kartensysteme, begründete dies mit der neu eingeführten einheitlichen Notrufnummer 116 116 zum Sperren der Karten: Damit könnten sich Verbraucher schneller gegen missbräuchliche Verwendung geklauter Karten schützen. Die Karten und ihre Daten seien jedoch oft mehrfach für kriminelle Geschäfte genutzt worden, so dass sich die Zahl der Betrugsfälle insgesamt erhöhte.
Der Deutschland-Chef des Kreditkarten-Unternehmens Mastercard, Norbert Gebhard, betonte in einem Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel", Maestro- und Kreditkarten seien dennoch sicherer als Bargeld. Schließlich bekämen Inhaber einer Mastercard in der Regel ihr Geld zurück, falls es unverschuldet durch Karten- und Datenmissbrauch abhanden kommt. Das gelte für Bargeld nicht. Außerdem kündigte er ein neuartiges Sicherungssystem an: Ein so genannter EMV-Chip solle mittel- bis langfristig den Magnetstreifen ablösen. Ein solcher Chip sei nicht so leicht auszulesen und zu kopieren. Länder, die ihn bereits voll eingeführt haben, verzeichneten einen deutlichen Rückgang von Betrugsfällen.