04.07.2009

Soldaten: Keine Lebensversicherung in Afghanistan

Einige Lebensversicherer verweigern den Hinterbliebenen von in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten die Auszahlung der Risikolebensversicherung. "Wenn die Zahl der Todesfälle weiter steigt, könnten sich noch mehr Gesellschaften so verhalten", sagte Wilfred Arntz-Kohl, Versorgungsexperte bei der Interessenvertretung der deutschen Soldaten, gegenüber der "Financial Times Deutschland" (FTD).

Zahlung nur bei zufälligem Kampf

Für einige Versicherer in Deutschland mache es einen Unterschied, ob der verstorbene Soldat einem passiven oder aktiven Kriegsrisiko ausgesetzt war: Ein passives Risiko beziehe sich auf tödlich ausgehende Kämpfe, in die der Soldat nur zufällig hineingeraten sei, schreibt die Zeitung. In diesem Fall zahlen die meisten Versicherer.

Bei einem aktiven Kriegsrisiko, wie ein Angriff auf eine feindliche Stellung, könne die Versicherungsgesellschaft mit Verweis auf die aktive Beteiligung am Krieg Leistungen aus der Risikolebensversicherung verweigern. Handelt es sich um eine Kapitalbildende Lebensversicherung, erhalten die Angehörigen nur die bereits angesparte Summe, den so genannten Rückkaufswert, nicht aber die Todesfallleistung, schreibt die FTD.

Manche Versicherungsunternehmen würden nach Angaben des Bundswehrverbandes Afghanistan inzwischen schon vorab zur aktiven Risikozone erklären - auch wenn nicht alle deutschen Soldaten dort aktiv an Kämpfen beteiligt seien.

Bund übernimmt Ausfallbürgschaft

Allerdings werden die Soldaten von der Bundeswehr geschützt, wenn es Unklarheiten über aktives oder passives Kriegsrisiko gibt, schreibt die FTD. Dann gehe die Bundeswehr in Vorleistung und versuche, mit dem Versicherer eine Klärung zu erreichen. Sollte der die Leistung verweigern, übernimmt der Bund eine Ausfallbürgschaft.

Damit der Bund zahlt, müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein. Der Soldat muss selbst Versicherungsnehmer sein und die Prämien selbst bezahlen. Früher hat jedoch oft die Ehefrau die Lebensversicherung für ihn abgeschlossen, um im Todesfall Erbschaftsteuern zu vermeiden. Zudem zahlt der Bund nur an natürliche Personen. Ist nur ein Kreditinstitut als Begünstigter eingetragen, gebe es keinerlei Leistung.

Riskiolebensversicherung nur mit Zuschlag

Manche Versicherer, wie der Spezialversicherer DBV des Mutterunternehmens AXA, bietet auch speziell auf Soldaten zugeschnittene Risikolebensversicherungen an, die das aktive Risiko gegen einen Zuschlag mit einschließen. Der Bundeswehrverband sei derzeit auf der Suche nach Kooperationspartnern in Frankreich, wo Versicherer nicht zwischen aktivem und passivem Risiko unterscheiden, schreibt die FTD.



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