15.02.2010

PKV: Kritisches Gutachten passt Liberalen nicht

Die private Krankenversicherung (PKV) sei kein Geschäftsmodell, mit dem Ältere und chronisch Kranke effizient abgesichert werden. Zu diesem Schluss kommen das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) und der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup in einem Gutachten über die PKV, das der ehemalige Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in Auftrag gab und das dem amtierenden Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) vorliegt. Das berichtet der "Berliner Tagesspiegel".

Ergebnis des Gutachtens passt der FDP nicht

Die FDP als Anhänger der privaten Krankenversicherung (PKV) und ihres Prinzips der kapital gedeckten Vorsorge habe bezüglich des Gutachtens "noch nicht entschieden, was damit passiert", sagte eine Ministeriumssprecherin am Wochenende dem "Berliner Tagesspiegel". Vorerst gebe es "Nachbesserungswünsche". Laut der "Ärzte-Zeitung" sei zudem "von höchster Stelle angeordnet" worden, "die Expertise im Giftschrank verschwinden zu lassen".

PKV bietet keinen Schutz gegen Beitragssteigerungen

Die Wissenschaftler haben aufgrund ihrer Ergebnisse begründete Zweifel, "dass die PKV ihren Ansprüchen gerecht werde, einen besseren Schutz gegen Beitragssteigerungen zu bieten" als die gesetzliche Krankenversicherung, heißt es im Artikel. Nach ihren Berechnungen stiegen die Leistungsausgaben für jeden Privatversicherten zwischen 1997 und 2008 um 49 Prozent. Bei den gesetzlich Versicherten waren es nur 31 Prozent.

PKV umwirbt vor allem junge und gesunde Versicherte

Diese höheren Kosten vor allem durch steigende Arzthonorare münden laut dem Statut der PKV in Beitragssteigerungen. An sich sei das kein Problem, befanden die Gutachter, schließlich gebe es im PKV-System auch keine Leistungsausschlüsse wie bei den gesetzlichen Kassen. Allerdings finde ein Wettbewerb vor allem um junge und gesunde Kunden statt, die mit preiswerten Tarifen geworben werden. Das führe zu überdurchschnittlichen Prämienzuwächsen bei älteren Versicherten.

Steigende Beiträge vor allem für alte und chronisch Kranke

Denn vor allem alte und chronisch kranke Versicherte, die nicht mehr zu einer gesetzlichen Kasse und wegen Krankheit und Altersrücklagen auch nicht mehr zu einem bezahlbaren Preis zu anderen Privatversicherern wechseln können, müssen diese Geschäftspolitik mittragen.

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