Ein Großteil der ostdeutschen Rentner ab Ende 2020 muss mit knapp 600 Euro pro Monat auskommen. Damit liegt die zu erwartende
gesetzliche Rente nahe oder unter der Grundsicherung (
Hartz IV). Dies ist eines der zentralen Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Hauptgrund für diese Entwicklung ist die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland verbunden mit einem abgesenkten Rentenniveau.
900 Euro Rente für ältere ostdeutsche JahrgängeDie älteren ostdeutschen Jahrgänge können heute im Mittel noch 900 bis 1000 Euro Rente erwarten. Für die jüngeren Jahrgänge, die zwischen 1962 und 1971 geboren wurden, werden die Renten mit rund 600 Euro im Bereich der Grundsicherung liegen. Bei den Frauen fallen die Renten ab Jahrgang 1952 auf rund 800 Euro bis unter 500 Euro bei den jüngsten Jahrgängen.
Arbeitslosigkeit und schlechte bezahlte Jobs Seit Beginn der 90er Jahre schnellte die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland nach oben und verharrt seitdem auf deutlich höherem Niveau als im Westen. Hinzukommt der Trend zu mehr Teilzeitbeschäftigung und Minijobs – vor allem Frauen rutschten in Ostdeutschland aus Vollzeitstellen in geringfügige Beschäftigung. Da die Rente eine Bilanz des gesamten Erwerbslebens darstellt, sind seit der Wiedervereinigung jetzt bereits 20 Jahre vergangen, in denen sich die schlechte Arbeitsmarktsituation in unterdurchschnittlichen Rentenansprüchen niederschlägt.
Bildung entscheidet über spätere RentenhöheNach DIW-Berechnung hängt im Durchschnitt aller Altersgruppen das Risiko, arbeitslos zu werden, stark am Bildungsgrad. So liegt für die Gruppe der von 1967 bis 1971 geborenen westdeutschen Frauen mit höherer Bildung das Risiko von Arbeitslosigkeit bei einem Jahr. Derselbe Wert klettert hingegen für ostdeutsche Frauen mit geringer Bildung auf 13,3 Jahre. Allerdings klinken sich ostdeutsche Frauen wesentlich seltener oder kürzer ganz aus dem Arbeitsmarkt aus als westdeutsche Frauen, heißt es in der Mitteilung.
Ostdeutsche können nicht auf die Rente des Partners setzenWährend in Westdeutschland die niedrigen Renten von Frauen häufig durch höhere Renten des Mannes ausgeglichen werden können, entfällt dieser Effekt in Ostdeutschland. Denn: Auch in Paarhaushalten kommt hier zu einer Rente auf Grundsicherungsniveau nur eine weitere in ähnlicher Höhe hinzu. Die Frage, ob
Betriebsrenten,
private Altersvorsorge, Erbschaften oder Immobilienvermögen diese Verluste auffangen können wurde dabei nicht untersucht. Die Wissenschaftler nehmen allerdings an, dass niedrige Einkommen auch den Aufbau von Vermögen bremsen.
Politik muss gegensteuernAus Sicht der Wissenschaftler muss die Politik dem entgegenwirken: Dazu zählt vor allem die Stärkung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, um eine Zunahme der Lebensarbeitszeit zu erreichen.
"Anreize zur sozialversicherungsfreien Beschäftigung (
Mini-Jobs), zum Bezug von ALG II sowie zur Frühverrentung sollten also reduziert werden," empfiehlt DIW-Experte Viktor Steiner. Auch sollte der vorzeitige Renteneintritt mit entsprechenden Abschlägen nur dann möglich sein, wenn die spätere Altersrente über der Grundsicherung im Alter liegt.
Umfrage: Soll der Staat sozialversicherungspflichtige Jobs im Osten stärker fördern?
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