19.07.2010

Geld abheben im Ausland: Kosten deutlich geringer

Die Gebühren für das Geldabheben im Ausland könnten erheblich billiger sein als bislang angenommen. So existieren nämlich Verträge zwischen ausländischen und deutschen Banken, die die bankeninternen Entgelte unter dem Betrag von einem Euro halten. Der Kunde muss jedoch bis zu zehn Euro für das Geldabheben bezahlen.

Geld abheben im Ausland für 75 Cent

Innerhalb Deutschlands gilt das Geldabheben an fremden Geldautomaten als überteuert. Kosten von 33 Cent bis 1 Euro pro Abhebung stehen Gebühren von bis zu zehn Euro gegenüber. Wie ein Bericht der "Financial Times Deutschland" zeigt, gilt dieses Missverhältnis von Kosten und Gebühren auch für das Geldabheben im Ausland. Der Zeitung liegt ein Vertrag zwischen deutschen und britischen Banken vor, in dem sich beide Seiten verpflichten, sich für Bargeldverfügungen ihrer Kunden maximal 75 Cent gegenseitig in Rechnung zu stellen. Den Kunden wird jedoch ein Vielfaches von dem für die Automatennutzung im Ausland abgeknöpft.

EU-Richtlinie schreibt gleiches Entgelt für In- und Ausland vor

Der Grund für diese Praktik ist eine EU-Richtlinie, die den Instituten vorschreibt, das Geldabheben im Inland und im Ausland gleich zu behandeln. Da die Institute die Kunden fremder inländischer Banken gehörig zur Kasse bitten, müssen sie dies auch bei Auslandstransaktionen tun, um der EU-Richtlinie zu entsprechen.

Zwar könnte man es auch umgekehrt machen und die Gebühren für Inlands- und Auslandsverfügungen an die tatsächlichen (niedrigeren) Kosten anpassen. Dazu scheinen die Banken allerdings nicht bereit, zu lukrativ ist das Geschäft mit der Automatengebühr. Gegen den Vorwand der Abzocke wenden der Sparkassenverband DSGV und der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken BVR ein, dass die 75 Cent für die Auslandsabhebungen keinesfalls kostendeckend seien. Man nehme vielmehr ein Verlustgeschäft in Kauf, um die EC-Karte im internationalen Zahlungsverkehr attraktiver zu machen.

Mitte August neuer Vorschlag für innerdeutsche Automatengebühr

Erst kürzlich hatten die Banken auf Druck von Bundeskartellamt und Verbraucherschutzministerium eine Automatengebühr von maximal 5,- Euro pro Abhebung vorgeschlagen. Das Kartellamt lehnte diesen Vorstoß allerdings als zu hoch ab. Bis Mitte August müssen die Bankenverbände nun einen neuen Vorschlag für die Gebühr zur Automatennutzung machen.

Abbau von Geldautomaten?

Der Präsident des Sparkassenverbandes Heinrich Hassis hatte in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" für den Fall einer zu niedrigeren Gebühr damit gedroht, Geldautomaten abzubauen. "Jeder muss wissen, dass auch wir unsere Automaten nur solange betreiben können, wie es wirtschaftlich einigermaßen vertretbar ist. Wenn jetzt ein zu niedriger Preis diktiert werden soll, dann ist an vielen Standorten diese Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben", so der DSGV-Chef.

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