Wegen der hohen Inflation steigt die Steuerschuld nach Lohnerhöhungen stärker als die Einkommen selbst. Das hat der Bund der Steuerzahler Saar für das WDR-Wirtschaftsmagazin [plusminus errechnet. Damit haben die Verbraucher weniger in der Tasche, während die Steuereinnahmen sich inflationsbedingt erhöhen.
[plusminus zeigt am Beispiel einer Erzieherin mit einem Monats-Bruttoeinkommen von 1.350 Euro, dass ihr bei einer Lohnerhöhung von acht Prozent über die Hälfte ihres zusätzlichen Einkommens an Sozialkassen und Staatskasse verloren gehen. Von den 108 Euro brutto zusätzlich im Monat bleiben ihr somit nur 44 Euro, was die derzeitige Inflationsrate nur noch gerade noch ausgleicht – obwohl acht Prozent sich zunächst nach viel anhören.
Diese "kalte Progression" trifft Menschen mit niedrigem Einkommen besonders hart, denn gerade unumgängliche Konsumgüter wie Lebensmittel und Energie sind überdurchschnittlich viel teurer geworden. Die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke zum Beispiel erhöhten sich im letzten Monat um 7,3% bis 9,6% gegenüber dem Preisniveau vom März 2007, teilte jüngst das Statistische Bundesamt mit. Darunter leiden Menschen mit niedrigen oder mittleren Einkommen, weil sie bereits den größten Teil ihres Haushaltbudgets für Dinge des täglichen Bedarfs aufwenden. Preissenkungen etwa bei elektronischen Geräten, die statistisch die Inflationsrate drücken, kommen bei ihnen nicht an.
Deshalb wird nun eine Angleichung der Steuerklassen an die Inflation diskutiert (banktip.de berichtete). Berechnungen des Tübinger Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung zufolge werden die Deutschen bis 2011 mindestens 63 Milliarden zusätzlich an Steuern zahlen, wenn der Steuertarif nicht an die Inflation angepasst wird. Eine solche Anpassung ist in anderen Ländern durchaus üblich und würde mehr von den Lohnerhöhungen, welche die Arbeitnehmer durchgesetzt haben, in deren Taschen fließen lassen.
Vor allem über die Mehrwertsteuer profitieren die öffentlichen Haushalte zusätzlich von der Inflation. Wie der Bund der Steuerzahler (BdST) für die BILD-Zeitung errechnete, liegen die inflationsbedingten Mehreinnahmen allein für 2008 bei 3,9 Milliarden Euro. Der BdST legte eine Jahresinflation von 2,3 Prozent zugrunde, wie sie auch die Bundesregierung bislang annimmt und nannte seine Schätzung auch deshalb "eher konservativ".