Bernhard Hillmoth
"Kinder im Steuerrecht"

Knapp 27 Millionen Deutsche haben im Jahr 2004 eine
Steuererklärung abgegeben. Rund elf Millionen von ihnen haben der Erklärung die
Anlage Kind beigefügt. Die entsprechenden Anlagen zu Einkünften aus Vermietung und Verpachtung (5,13 Mio.), Einkünften aus Gewerbebetrieb (4,13 Mio.) oder aus Kapitalvermögen (2,81 Mio.) wurden weit weniger genutzt. Die Tendenz dürfte sich bis heute nicht großartig geändert haben. Gleichwohl finden sich in der Ratgeberliteratur gefühlt mehr Beiträge, die sich mit den verschiedenen Einkunftsarten auseinandersetzen als das Thema Kinder im Steuerrecht zu beleuchten.
Bernhard Hillmoth sah das anscheinend genauso und hat ein Buch mit eben diesem Titel „Kinder im Steuerrecht“ verfasst, welches nun in der zweiten Auflage vorliegt. Hillmoth ist Diplom-Finanzwirt bei der Oberfinanzdirektion Münster und Dozent im Aus- und Fortbildungsbereich der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen. Ob er darüber hinaus auch Vater ist, ist nicht überliefert. Selbst wenn dem nicht so ist, ändert das nichts an dem Urteil, das über dieses Buch zu fällen ist: Ein umfassendes und detailliertes Nachschlagewerk, das so ziemlich jede Frage zu Kindern und Steuern beantwortet.
Zwei Drittel Steuervorteile durch/für Kinder Das Buch ist in sechs Abschnitte gegliedert, wobei gleich der erste Abschnitt "Steuervorteile durch/für Kinder" zwei Drittel des Buches einnimmt. Hier werden die Themen Kindergeld,
Werbungskosten,
Sonderausgaben und diverse Entlastungs- und Pauschbeträge im Zusammenhang mit der Kindererziehung behandelt. Die seit kurzem besser absetzbaren Kinderbetreuungskosten werden in einem eigenen Unterabschnitt ausführlich beleuchtet. Ebenso bekommt der
Familienleistungsausgleich, der das sehr komplizierte Nebeneinander von Kindergeld und Kinderfreibetrag behandelt, ausreichend Platz.
Neben der steuerlichen Situation mit minderjährigen Kindern werden auch Sachverhalte mit volljährigen Kindern berücksichtigt. Ob Kinder unterschiedlicher Verwandtschaftsgrade, Kinder in Ausbildung, Kinder im Ausland oder Kinder in Übergangszeiten (soziales Jahr etc.) – das Buch will seinen Lesern zumindest immer einen Ansatz bei den steuerlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Nachwuchs bieten. Im zweiten Abschnitt, der mit "Familienförderung" überschrieben ist, werden das Elterngeld und das Mutterschaftsgeld ausführlich behandelt.
Steuerminderne (Alters-)Vorsorge für Kinder Nicht wirklich überraschend, mag sich der Leser des Buches bis hierin denken. In einem weiteren Abschnitt kommt der Autor jedoch auch auf private
und betriebliche Altersvorsorge mit Kindern und für Kinder zu sprechen. Selbstverständlich wird hier die Kinderzulage beim
Riester-Sparen thematisiert. Es wird aber auch auf die Problematik der Kosten für die Krankenversicherung von Kindern hingewiesen, die sich laut Bundesverfassungsgericht steuermindernd auswirken müssen. Da die derzeitige Gesetzeslage dies nicht widerspiegelt (erst ab 2010 muss der Gesetzgeber eine Neuregelung schaffen), dürfte der rechtsunkundige Leser dankbar für diesen Hinweis sein.
Bevor das Buch zum Schluss mit den "Sonstigen finanziellen und steuerlichen Leistungen" bemüht ist, auf kinderrelevante Sachverhalte auch bei anderen Steuerarten (
Erbschaftsteuer, Kfz-Steuer, Zweitwohnungsteuer) einzugehen, werden auch noch die "Vertrags- und Gestaltungsmöglichkeiten mit und für Kinder(n)" abgehandelt. So nennt der Jurist und Verwaltungsbeamte all jene Tipps und Tricks, mit denen sich legal einige Euro am Fiskus vorbeischleusen lassen. Hier finden sich Informationen zur Übertragung von Vermögen und Immobilien auf Kinder sowie zu Verträgen (
Kredit, Arbeitsverhältnis) mit Kindern.
Ein großes Plus ist die
im Kaufpreis enthaltene Online-Version des Buches. Über fabilon, der Online-Fachbibliothek des herausgebenden NWB-Verlages, können alle Inhalte des Buches online abgefragt werden. Wer also lieber surft anstatt blättert, bekommt die digitale Version des Buches gleich gratis dazu. In jedem Buch ist ein Freischaltcode für die Online-Variante abgedruckt.
Eher für Leute vom Fach Der Titel des Buches lässt auf alle Fälle werdende und gerade gewordene Eltern aufhorchen und interessiert hinschauen. Nach dem Vorwort des Autors sei auch der Steuerbürger selbst Teil der Zielgruppe. Allerdings gilt dies nur begrenzt. Dem Stil des Buches merkt man die Herkunft seines Autors doch sehr an. Die Gliederung ist sehr wissenschaftlich, die Sätze zum Teil verwaltungstypisch lang, die Schreibe arg fachlich. Dies dürfte die ebenfalls avisierte Zielgruppe der Steuerberater, Rechtsanwälte und Steuerbeamten jedoch nicht stören. Denn für sie zählt nicht lockere Schreibe sondern fundierte Fachkenntnis. Das Buch beweist nicht nur, dass Autor Hillmoth über Fachkenntnisse verfügt, sondern es vermittelt diese Kenntnisse auch an die Leser.
Wer also eine Fachlektüre nicht scheut bzw. sowieso damit beruflich zu tun hat und sich mit steuerlichen Fragen im Zusammenhang mit Kindern konfrontiert sieht, dem seien die "Kinder im Steuerrecht" empfohlen. Dann hat Vati abseits des Steuerrechts vielleicht mehr Zeit zum Toben und möglicherweise mehr Geld für Geschenke.
Eike Böttcher (Ass. jur.)
Redaktion banktip.de Bernhard Hillmoth
Kinder im Steuerrecht
Verlag Neue Wirtschafts-Briefe, Herne
2. Auflage 2009, 466 Seiten, Paperback
54,- Euro [D]
ISBN: 978-3-482-47912-0