Studienkredite können Finanzierungslücken überbrücken
von Torsten Hönisch
Mit der Einführung von Studiengebühren von 500 Euro pro Semester werden sich die Finanzierungsprobleme von Studierenden in Hamburg weiter verschärfen. Bereits jetzt wächst der Beratungsbedarf zu dem Thema. Die Gruppe derjenigen, die von Geldnot im Studium betroffen sind, ist dabei sehr heterogen.
Bisher gerieten vor allem Studierende in der Endphase ihres Studiums in finanzielle Schwierigkeiten, etwa wenn das BAföG ausläuft oder die Examen keine Zeit mehr lassen für Jobs neben dem Studium. Der AstA beobachtet aber, dass sich dieses Problem sich weiter nach vorne im Studienverlauf verlagert. Diese Entwicklung wird sich mit den zusätzlichen Studiengebühren ebenfalls verschärfen.
Die Finanzierungslücken betreffen in erster Linie Studierende, die zu wenig oder gar kein BAföG bekommen. Viele Gründe können dafür verantwortlich sein, dass das BAfög nicht ausreicht. Häufig liegt es daran, dass die Eltern so knapp an der Bemessungsgrenze verdienen, dass der BAföG-Satz zu niedrig ist und sie das Studium nicht voll finanzieren können.
Die so genannte Härtefallregelung sieht zwar vor, Studierende von der Studiengebührenpflicht zu befreien, wenn sie mit einer Zahlung überfordert sind. Diese Entscheidung wird im Einzelfall auf Antrag getroffen und liegt ganz bei der Hochschule. Erlässt sie einem Studierenden das Geld, bedeutet das für sie weniger Einnahmen. Daher ist nicht anzunehmen, dass Härtefälle besonders großzügig anerkannt werden.
Die neuen Studienordnungen der Bachelor- und Masterstudiengänge tragen ebenfalls zu der Verschlechterung der finanziellen Lage Studierender bei. Zwar ist es in ihrem Rahmen kaum mehr möglich, die Regelstudienzeit zu überschreiten. Dafür ist die Arbeitsbelastung während des Studiums sehr viel höher und lässt kaum noch Zeit, um neben dem Studium Geld für den Lebensunterhalt hinzu zu verdienen. Wer zuwenig BAföG oder Elternunterstützung bekommt, muss schon zu Beginn des Studiums über finanzielle Alternativen nachdenken.
Hier kann ein Studienkredit erstmal sinnvoll sein, gerade um den Abschluss in Ruhe zu überstehen. In der Phase nach dem Studium kommen aber neue Belastungen besonders auf diejenigen zu, die etwa eine Familie und/ oder ein eigenes Unternehmen gründen wollen. Zusätzlich sollte man so bald wie möglich mit der privaten Altersvorsorge beginnen. Wenn dann noch ein Studienkredit zurückgezahlt werden muss, stößt da die persönliche Leistungsfähigkeit schnell an die Grenzen.
In der derzeitigen Lage sind Studienkredite also durchaus ein Instrument, welches Finanzierungslücken im Studium überbrücken hilft. Eine Reform des BAföG, welche die Bemessungsgrenzen und vor allem den Anteil der Höchstsatzzahlungen spürbar anhebt, würde den Studierenden aber sehr viel bessere Studien- und Zukunftschancen eröffnen, als es Studienkredite tun.
Torsten Hönisch
Referenten für Hochschulpolitik,
Recht und Soziales
vom AstA der Universität Hamburg