Die Scoring-Falle
von Eike Böttcher
Das Thema Scoring ist derzeit in aller Munde. Insbesondere im Rahmen der Kreditvergabe machen Verbraucherschützer darauf aufmerksam, dass die Scoringwerte, die bei Schufa & Co. ermittelt und gespeichert werden, nicht immer der Wahrheit entsprechen. Wie beim PC, bei dem das größte Problem oft 40 Zentimeter davor sitzt, tragen häufig nicht die Datensammler sondern die Datenlieferer die Verantwortung dafür. Manchmal liegt es an falschen Anfragen durch die Banken, manchmal werden Daten einfach falsch interpretiert und manchmal wohnt man einfach nur in der falschen Gegend.
Falle lauert nicht nur bei Krediten
Wer denkt, dass nur potenzielle Kreditnehmer in die Scoringfalle tappen können, der irrt gewaltig. In vielen Bereichen des alltäglichen Lebens werden Kunden – oft unbemerkt – durchleuchtet, bevor mit ihnen ein Geschäft gemacht wird. Ob Handyvertrag oder Mietverhältnis: Man will wissen, mit wem man es zu tun bekommt. Dass die Informationen der diversen Auskunfteien ihre Kunden nicht nur vor Schnorrern und Zechprellern schützen, sondern bei falscher Auskunft bzw. falscher Interpretation der Daten für das eigene Geschäft nicht gerade förderlich sind, zeigt der folgende wahre Fall aus dem Versicherungsbereich:
Unser potenzieller Versicherungsnehmer hat seinen Bedarf an Policen gecheckt und festgestellt, dass ihm eine Haftpflichtversicherung fehlt. Ein Vergleich im Internet lässt ihn auch schnell den günstigsten Anbieter finden. Die Wahl fällt auf das Unternehmen CosmosDirekt. Der Antrag ist flugs online gestellt, der Antrag werde umgehend bearbeitet, verspricht der Versicherer seinem Neukunden in spe.
Überraschende AuftragsbestätigungDie Auftragsbestätigung kommt dann auch ein paar Tage später per Post. Allerdings nicht mit dem erwarteten Inhalt "Wir freuen uns, Sie als Neukunden begrüßen zu dürfen ...". Vielmehr schreibt CosmosDirekt:
"Die Antragsprüfung hat ergeben, dass wir den von Ihnen gewünschten Versicherungsschutz nicht übernehmen können. Wir haben daher die Antragsbearbeitung eingestellt."
Weshalb und warum, erläutert der Versicherer nicht. Eine telefonische Nachfrage bei CosmosDirekt ergibt, dass Auskünfte der Firmen "Informa Unternehmensberatung" und "Infoscore Consumer Data GmbH" schuld an der Absage sein sollen. Da unser versicherungswilliger Kunde keine negativen Schufa-Einträge hat und auch noch nie eine Zahlungsrate für das Handy oder für sonst eine Dienstleistung nicht bedient hat, stellt er sich die Frage, welche schockierenden Infos die Auskunfteien an CosmosDirekt weitergegeben haben, die beim Versicherer anscheinend alle Warnlampen angehen ließen. Das dürfe ihm nur die Auskunftei selbst sagen, teilt ihm der Mitarbeiter von CosmosDirekt mit. Das Auskunftsersuchen, welches auf telefonische Nachfrage schriftlich zu stellen war, ergab:
Die infoscore Consumer Data GmbH hat folgende Daten zu Ihrer Person gespeichert:
KEINE DATEN
Diese Auskunft verblüffte unseren noch immer haftpflichtversicherungslosen Nichtkunden. Hatte der Versicherungsmitarbeiter nicht gesagt, dass man ihn wegen der Auskunft nicht mit einer Police versorgen könne? Wie kann die Auskunft "KEINE DATEN" zu einer Ablehnung führen? Haben wir schon Verhältnisse wie in Amerika, wo eine Kredithistorie – egal, ob gut oder schlecht – mehr zählt als eine "weiße Weste"? Für CosmosDirekt – mit dem Auskunftsergebnis konfrontiert – ist der Fall klar: Von der Firma infoscore Consumer Data GmbH lägen "keine negativen auf Ihre Person bezogenen Informationen vor". Man sei wegen der Informationen der INFORMA Unternehmensberatung GmbH nicht in der Lage, den gewünschten Versicherungsschutz zu gewähren.