Ortstermin: Eröffnung Cortal Consors Finance Lounge


Ortstermin:
Die Finance Lounge von Cortal Consors -
Renaissance der Bankfiliale?

von Eike Böttcher

Die Eröffnung einer Bankfiliale ist sicher kein Ereignis, das besonders großes öffentliches Interesse hervorruft. Wenn man die Filiale nicht einfach Filiale, sondern Finance Lounge nennt, klingt das schon interessanter, weil es nicht nach piefiger Bankschalteratmosphäre klingt sondern irgendwie hochwertiger.

Finance Lounge in Zeiten der Finanzkrise

Richtig interessant wird es aber erst, wenn eine Bank eine Finance Lounge in Zeiten eröffnet, in denen die Börsenkurse in den Keller rauschen, die Anleger ihr Geld aus Wertpapieren massenhaft abziehen, die Kleinsparer Angst um ihre Euro auf dem Sparbuch haben und ganze Staaten vom Sog der Finanzkrise in den Abgrund gerissen werden.

In eben solchen Krisenzeiten hat die Direktbank Cortal Consors eine Finance Lounge am Gendarmenmarkt im Herzen Berlins eröffnet. Nicht die erste, denn die steht bereits am Hauptsitz des Unternehmens in Nürnberg.

Direktbank und Filiale – das passt auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen. Rühmen sich die Onlinebanken nicht gerade der Kostenvorteile, die sie durch das fehlende Filialnetz gegenüber den Filialbanken haben? Und nun soll eine Filiale wieder was Besonderes sein, wie bei einer gewöhnlichen Bank?

Entspannte Café-Atmosphäre

In der Finance Lounge soll den Kunden wenig an eine gewöhnliche Bank erinnern. Vielleicht auch, weil Erinnerungen an Banken derzeit meist keine guten sind. "In entspannter Café-Atmosphäre" sollen Kunden beraten werden, so die Nürnberger Direktbanker. Und tatsächlich gibt sich die Finance Lounge lockerer als eine Bankfiliale.



Bildergalerie zur Cortal Consors Finance Lounge

Den zentralen Bereich bestimmt eine Leuchtwand in poppigem Orange, vor der ein Beratertresen und zwei Internetterminals für Informationsmöglichkeiten sorgen. Eine geräumige Ledercouch unterstreicht den lässigen Charakter der Beratungsatmosphäre. Der stylische Kaffeeautomat steht für das gewünschte Café-Ambiente und in sogenannten halbdiskreten Zonen oder in gänzlich abgetrennten Räumen können sich Kunde und Berater auch mal der offenen Atmosphäre für vertrauliche Gespräche entziehen.

Dass man sich in dieser Umgebung wohlfühlen kann, steht außer Frage. Fragt sich nur, wer sich in der Finance Lounge wohlfühlen soll. Verkaufen steht hier nicht im Vordergrund, das macht die lauschige Einrichtung klar. Cortal Consors will die exklusive Filiale nicht als Akquiseinstrument für Neukunden verstanden wissen. Das verhindert zu einem guten Teil schon die bewusst gewählte Lage der Lounge im ersten Stock, die auch günstiger als das präsentere Erdgeschoss zu haben war, wie die kostenbewussten Direktbanker im Gespräch offen zugeben.

Anlaufpunkt für Bestandskunden

Es geht ihnen eher darum, einen Anlaufpunkt für Bestandskunden zu bieten, in Seminaren über wichtige Themen zu informieren und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, wie Unternehmenssprecher Dirk Althoff es ausdrückt. An den PC-Terminals könne der Kunde ungestört seine Bankgeschäfte selbst erledigen und die Finance Lounge so als Internetzugang mit Wohlfühlfaktor nutzen. Im Unterschied zum heimischen Onlinebanking steht aber hier bei Bedarf ein Berater zur Verfügung, der bei Fragen weiterhilft.

Dass es der Bank in dieser heimeligen Atmosphäre vermutlich auch leichter fällt, aus dem normalen Bankkunden einen sogenannten Mehrproduktnutzer zu machen, also jemanden, der neben dem Girokonto auch noch ein Depot oder Tagesgeldkonto eröffnet, soll bei all den Servicevorteilen nicht unerwähnt bleiben.

Als Direktbank konzentriere man sich zwar auf den Auftritt im Internet, gleichwohl gebe es Kunden, die einfach mal bei ihrer Bank vorbeischauen wollen. Eine Filiale sei für diesen Kundenkreis zwar nicht zwingend notwendig, erzählt Unternehmenssprecher Althoff, aber sie seien schon zufrieden, wenn sie um die Möglichkeit eines Besuchs beim Bankberater wüssten. Und diese Sicherheit wolle man mit der Präsenz dieser etwas anderen Filiale vermitteln.

Gesicht zeigen

Ähnlich drückt es auch der Vorstandschef von Cortal Consors, Martin Daut, aus: "Der Kunde soll sehen, dass seine Bank ein Gesicht hat. Und zwar ein besonderes." Darum geht es dann wohl auch primär, wenn eine Direktbank für seine Kunden anfassbar sein will. Die Kunden sollen ein Gefühl dafür bekommen, dass sie die Leute kennen, die mit ihrem Geld arbeiten. Denn man vertraut in der Regel nur jemandem, den man kennt. Und Vertrauen ist das, was die Finanzbranche derzeit am meisten braucht.

Vielleicht sorgt die Finanzkrise auf diesem Wege wieder für eine Renaissance der Bankfiliale, und sei es nur um Kaffee zu trinken, ein bisschen im Netz zu surfen oder mit einem Mitarbeiter ein Pläuschchen zu halten. Wenn gewünscht, auch gern in einer halbdiskreten Zone.

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