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Kommentar: Altersvorsorge - Riestern mit Restrisiko


Altersvorsorge - Riestern mit Restrisiko

Kommentar von Wolff von Rechenberg

Riester-Rente: Altersvorsorge mit Rest-RisikoErschreckende Zahlen finden wir in der Postbank-Studie "Altersvorsorge 2009/2010". Das Vertrauen in die private Altersvorsorge bröckelt. Gerade in der Einkommensgruppe zwischen 1500 und 2499 Euro gibt es viele Riester-Verweigerer. Die Hälfte der Befragten in dieser Einkommensgruppe will ihre Vorsorge nicht ausbauen. 2008 sagte das nur ein Drittel. Ein ratloser Postbank-Vorstand Dr. Michael Meyer spricht bei der Vorstellung der Studie von Fatalismus, ja sogar von einer Kapitulation der Deutschen vor der Altersvorsorge. Die Gründe für die Zweifel an Riester-Rente & Co. beantwortet die Postbank-Studie nicht.

In der Altersvorsorge geht Sicherheit vor Rendite

Wenn es um die Altersvorsorge geht, dann müssen die Finanzberater und Banker ihre Kunden mit vielen Fragen allein lassen. Ein Beispiel: Die Studie wirft den Deutschen vor, sie achteten beim Abschluss einer Altersvorsorge zu wenig auf die Inflationsrate. Dabei wissen die Kunden vielleicht einfach nur viel besser Bescheid als die Banken glauben. Wahrscheinlich wissen sie, dass man mit sicheren Geldanlagen keine Spitzenrenditen erzielen kann. Ganz bestimmt wissen sie aber, dass bei der Altersvorsorge Sicherheit vor Rendite geht, damit am Ende überhaupt etwas herauskommt.

Bei Hartz IV ist die Riester-Rente futsch

Ein anderes Beispiel: Gerne rechnen Bankberater vor, dass ein 25-Jähriger weniger als 200 Euro monatlich riestern muss, um einen anständigen Lebensabend zu verbringen. Vorausgesetzt, er verriestert volle 40 Berufsjahre. Wer allerdings zwanzig Jahre später seinen Job verliert, landet schwer vermittelbar beim Jobcenter und später in der Mini-Rente. Da weiß auch der nette Bankberater nicht weiter, der den Riestervertrag verkauft hat. Und was ist mit den Frauen? Sie verdienen schlechter als Männer und arbeiten im Durchschnitt keine 30 Jahre. Dazwischen gähnen beitragsfreie Lücken voll Kindergeschrei. Im Alter droht Hartz IV und die mühsam gesparte Riester-Rente ist futsch.

Private Altersvorsorge: Es bleibt ein Restrisiko

Private Vorsorge ist wichtig. Jeder sollte vorsorgen, wenn er kann. Doch sie ist und bleibt verbunden mit einem Restrisiko, das sie deutlich von der solidarisch finanzierten gesetzlichen Rentenversicherung unterscheidet. Die Kunden wissen das - und sie reagieren gelassen: Laut der Postbank-Studie würden sich drei Viertel der Deutschen einen Nebenjob suchen, wenn die Rente knapp wird. Und fast die Hälfte wäre sogar bereit, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten. Rente mit 67 hin oder her. Das ist Realismus, kein Fatalismus, liebe Banker und Finanzberater.

Foto: © Christian Jung/Fotolia.com
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