Die Bankenbranche steht vor der größten Übernahme ihrer Geschichte: Die britische Barclays Bank will den Wettbewerber ABN Amro schlucken. Am frühen Morgen hieß es, beide seien sich handelseinig. Nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) will ABN Amro jetzt doch noch einmal mit anderen Bietern sprechen, obwohl die Niederländer der Übernahme durch die Briten schon zugestimmt haben.
Wie beide Seiten mitteilten, will Barclays die Anteilseigner von ABN Amro mit eigenen Aktien bezahlen. Das Angebot entspreche einem Wert von 36,25 Euro pro Aktie. ABN Amro wurde am Freitag zu Börsenschluss mit mehr als 67 Mrd. Euro bewertet. Das Unternehmen will zudem seine US-Tochter LaSalle für 21 Mrd. US-Dollar an die Bank of America verkaufen.
Ein Konsortium aus der Royal Bank of Scotland, der spanischen Santander und der belgisch-niederländischen Finanzgruppe Fortis arbeitet an einer gemeinsamen Gegenofferte und will sich noch mit ABN Amro treffen. Mit diesen Gesprächen entspreche das Direktorium des Geldhauses seinen treuhänderischen Verpflichtungen, sagte ABN-Amro-Chef Rijkman Groenink. Allerdings sei eine Fusion mit Barclays die "beste Option" für die Aktionäre.
Barclays und ABN Amro hatten mehr als einen Monat lang exklusiv über einen Zusammenschluss verhandelt. Der fusionierte Konzern werde "Barclays PLC" heißen, hieß es. Barclays und ABN Amro kündigten an, ihren Zusammenschluss voraussichtlich im vierten Quartal abzuschließen. Bis 2010 rechneten sie mit Synergien von 3,5 Mrd. Euro.
Der neue europäische Bankenriese soll etwa 47 Millionen Kunden haben. Das fusionierte Unternehmen soll eine Gesellschaft nach britischem Recht werden, die Konzernzentrale aber in Amsterdam haben. Laut niederländischen Medienberichten wird die Fusion fast 13.000 Arbeitsplätze kosten.