Das Aktienjahr 2009 wird voraussichtlich besser verlaufen, als die derzeitige Lage an den Kapitalmärkten erahnen lässt. Die Fondshändler von Fidelity International sehen eine Reihe von Entwicklungen, die sich positiv in den Kursen europäischer Aktien niederschlagen können. Die Unterstützungsmaßnahmen von Regierungen und Notenbanken und das Nachlassen der Inflation dürften stimulierend wirken, so Fidelity.
"Die Angst vor einem Kollaps des Finanzsystems ist weitgehend gewichen. Stattdessen tragen die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank und die umfangreichen Maßnahmenpakete vieler Staaten zur Beruhigung der Märkte bei", sagte Miguel Corte-Real, Director European Equity Products bei Fidelity International.
Messbares Indiz hierfür ist der Rückgang bei den Prämien für Kreditausfallversicherungen. Auch der Volatilitätsindex VIX, der die Schwankungsbreite an den Aktienmärkten misst, ist von einem extrem hohen Niveau deutlich gesunken. Kurzfristig hat dies möglicherweise kaum Bedeutung - für eine langfristige Erholung ist es jedoch unerlässlich, dass die Volatilität nachlässt und die Marktteilnehmer nicht so leicht in Panik verfallen wie in den vergangenen zwölf Monaten.
Niedrige Lohnstückkosten und Inflation unterstützen
Ein bedeutender Faktor für den Konjunkturverlauf 2009 ist die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Zwar werden die Erwerbslosenzahlen steigen, es zeichnet sich jedoch noch kein einschneidender Beschäftigungsabbau ab. Deutschland ist durch niedrige Lohnstückkosten nach wie vor äußerst wettbewerbsfähig, und ein deutliches Anziehen der Löhne und Gehälter erscheint hier wenig wahrscheinlich. Dies trägt gemeinsam mit der nachlassenden Inflation dazu bei, dass keine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt wird.
Der Rückgang der Teuerungsraten hat noch einen weiteren positiven Effekt: Er eröffnete der Europäischen Zentralbank (EZB) Freiräume, die Geldpolitik zu lockern. Dadurch erhalten die Märkte zusätzliche Liquidität, was die Kreditvergabe belebt und die Wirtschaft stimuliert. Seit Anfang Oktober senkte die EZB den Leitzins um 1,75 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Im Januar könnte unter Umständen ein weiterer Zinsschritt folgen. Auch im Hinblick auf eine Annäherung an das historisch niedrige Zinsniveau in den USA, Japan und Großbritannien kann die EZB niedrigere Leitzinsen in Erwägung ziehen.
Die Sparraten waren in Europa in der Vergangenheit in der Regel höher als im angelsächsischen Raum. Dadurch verfügen die meisten Europäer über Rücklagen, die ihnen über Zeiten mit magerem Wirtschaftswachstum hinweghelfen. Die Ersparnisse erlauben sogar, dass der Konsum steigt, wenn sich das Stimmungsbild bessert. Auch dies wäre ein unterstützender Faktor für die Konjunktur, wenn sich gleichzeitig die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern.
Aktienkurse spiegeln schwere Rezession wider
Nach den Kurskorrekturen im Jahr 2008 weisen europäische Aktien so niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse wie zuletzt vor 20 Jahren auf. Im Zuge einer möglichen Normalisierung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird sich der Fokus der Marktteilnehmer wieder zunehmend auf attraktive Investmentgelegenheiten richten. "Die Aktienmärkte - ein Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung - spiegeln im Moment die Erwartung einer schweren globalen Rezession wider. Es ist jedoch möglich, dass der Konjunktureinbruch nicht so stark ausfällt wie derzeit prognostiziert", so Corte-Real.
Stärkerer Fokus auf Dividendenrendite
Investoren werden sich bei der Aktienauswahl wieder stärker auf Fundamentaldaten wie Eigenkapital und Gewinne konzentrieren. Dividendenrenditen werden wieder einen größeren Beitrag zur Rendite leisten; ein Faktor, der angesichts der Kursgewinne der letzten Jahre häufig in Vergessenheit geraten war. Investoren, die eine gezielte Einzeltitelauswahl anwenden, können in diesem Umfeld aussichtsreiche Anlagechancen identifizieren, auch wenn die wirtschaftliche Erholung noch eine Weile auf sich warten lässt.