Seit Anfang November gilt die neue europäische Finanzdienstleistungsrichtlinie, die Bankkunden mehr Rechte auf Information einräumt. Doch die meisten Verbraucher nehmen die neuen Rechte gar nicht wahr, zeigt eine aktuelle Umfrage der Zeitung "Die Welt".
Beispielsweise hat sich beim Investment-Ableger der Sparkassen "SBroker" noch kein einziger der 150.000 Kunden nach den Gebühren und Provisionen erkundigt. Bei der Direktbank Diba waren es ganze sechs von 5,9 Millionen Kunden. Dabei raten Verbraucherschützer dringend, die neuen Rechte einzufordern. "Nur so kann es zu einem höheren Preiswettbewerb kommen", sagt Thomas Biehler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Denn die Gebühren für Investmentfonds steigen eher, als das sie fallen. Besonders bei den "Verwaltungsvergütungen", die im Jahresverlauf regelmäßig aus dem Fondsvermögen bezahlt werden, legen die Finanzinsitute laut "Welt" zu. Als Beispiele nennt sie die beliebten Fonds "Concentra" von Allianz Global Investors und "DWS Vermögensbildung I", deren jährliche Gebühren sich seit 1999 mehr als verdreifacht haben. Die Anleger dagegen schauen eher auf den Ausgabeaufschlag, bevor sie sich für ein Produkt entscheiden. Der wird aber nur einmalig beim Kauf eines Anteils fällig.
Anleger sollten sich vor einem Fondskauf also über die Verwaltungsvergütungen informieren, denn sie können den zu erwartenden Ertrag wesentlich beeinflussen. "Je höher die Belastung ist, desto schwieriger wird es für den Fondsmanager, den Vergleichsindex zu schlagen", erklärt dies Natalia Wolfstetter, Fondsanalystin bei Morningstar. Auch die Höhe der Provisionen sollte bei der Entscheidung eine Rolle spielen. Schließlich ist sie ein Indiz dafür, ob die Verkäufer eher auf ihre Vergütung oder auf eine kundengerechte Beratung geschaut haben.
Zudem auch geht von der Verwaltungsvergütung ein Teil häufig an den Verkäufer und nicht den Verwalter des Fonds. Beim Deutschlandfonds Fondak zum Beispiel werden die Einnahmen zwischen Fondsgesellschaft und Bankverkäufer geteilt. Damit fließt ein Großteil der Investitionskosten in den Vertrieb - nur 0,7 Prozent der Gebühr werden für das Managen des Fonds verwendet.