Der Begriff "Euro-Rettungsschirm" wurde mit großer Mehrheit zum Börsen-Unwort des Jahres 2010 gewählt. Die Jurymitglieder der Börse Düsseldorf, die das Börsen-Unwort seit zehn Jahren wählt, begründete ihre Wahl damit, dass der Begriff "Rettungsschirm" in doppeltem Sinne ungeeignet sei.
Rettung keine Rettung
Zunächst bezeichne Rettung die Beendigung einer Notlage oder das Entkommen aus einer gefährlichen Situation. Ist die Rettung erfolgt, geht das Leben glücklich weiter wie zuvor. Davon könne beim Euro-Rettungsschirm keine Rede sein. Die Hilfestellung ist zeitlich begrenzt und muss vom Empfänger zurückgezahlt werden, wobei teilweise unklar ist, ob und wie dies gelingen kann. Ohne Rückzahlung würde es sich schon eher um eine Rettung handeln, da dann die Verpflichtungen des Geretteten tatsächlich erledigt wären.
Schirm kein Schirm
Außerdem sei nicht klar, um welche Art Schirm es sich handeln soll. Ist es eine Art Regenschirm, so sei die Kombination mit Rettung zumindest ungewöhnlich. Regen komme meist in Schauern oder seltener als andauernder Wasserfall von oben. Der Regen hört früher oder später auf und die Sonne scheint wieder. Beim Euro-Rettungsschirm blieben die Schulden übrig. Wenn ein Rettungsschirm für Fallschirmspringer gemeint sei, könne man unter diesen nicht einmal schlüpfen, denn im Fall der Fälle hänge man daran.
Definitorisch eng sei er sogar gar kein Notschirm, da die Nichtöffnung des normalen Schirmes nur als Störung und nicht als Notfall bewertet wird. Auch das passe in keiner Weise auf die vertrackte Situation der Euro-Rettungsschirmnutzer.
"Notkreditlinie" als Alternative
Einfacher und näher an der Sache wäre es, so die Düsseldorfer Börsianer, den "Euro-Rettungsschirm" als Notkreditlinie auf Zeit für bis über die Ohren verschuldete Staaten zu bezeichnen.
Das "Börsen-Unwort des Jahres" wird von der Börse Düsseldorf in Anlehnung an die sprachkritische Aktion des Frankfurter Germanisten Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser ermittelt. Zum "Unwort des Jahres" wählte dessen Jury in diesem Jahr die Formulierung "Alternativlos".
Bisherige Börsen-Unwörter:
- 2009: „Bad Bank“
- 2008: „Leerverkauf“
- 2007: „Subprime“
- 2006: „Börsen-Guru“
- 2005: „Heuschrecken“
- 2004: „Seitwärtsbewegung“
- 2003: „Bester Preis“
- 2002: „Enronitis“
- 2001: „Gewinnwarnung“
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