Deutsche verkaufen infolge der Finanzkrise vermehrt Aktien, Anleihen oder Investmentfonds und legen ihr Geld dafür in vermeintlich sicheren Anlagen mit geringen Renditen an. Dies geht aus aktuellen Berechnungen der Bundesbank hervor, die dem "Handelsblatt" vorliegen.
Seit der Pleite der US-Bank Lehman-Brothers im September 2008 horten die Haushalte Bargeld. Auch die Sparquote sei gestiegen, heißt es bei der Bundesbank. Sie kletterte im vierten Quartal nach Angaben der Bundesbank-Volkswirte auf 11,8 Prozent und erreichte damit den Stand von zuletzt 1993. Zum Vergleich: Seit dem Jahrtausendwechsel lag die Sparquote in Deutschland im Schnitt bei 10,3 Prozent des verfügbaren Einkommens, im Jahrzehnt davor immerhin bei 11,1 Prozent.
Ob die Deutschen auch weiterhin im internationalen Vergleich relativ viel Geld auf die hohe Kante legen werden, ist nach Angaben der Bundesbank-Ökonomen von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, etwa dem weiteren Verlauf der Rezession und damit einhergehend der Entwicklung des Arbeitsmarktes, heißt es im Artikel. Durch die Einlagensicherung der Bundesregierung für alle Bankeinlagen bleibe die Nachfrage nach Sparanlagen weiterhin hoch.
Barvermögen in Haushalten gestiegen
In der aktuellen Krise beherzigen viele Menschen aber offenbar das Motto "Nur Bares ist Wahres", schreibt die Zeitung. Im Vergleich zu den drei Quartalen vor der Lehman-Pleite erhöhte sich die Nachfrage der Haushalte nach Bargeld im letzten Quartal 2008 um das Dreifache.
Während sie zwischen Januar und September insgesamt bei 5,4 Milliarden Euro lag, kletterte sie danach auf 16,7 Milliarden Euro am Jahresende. Noch stärker nach oben ging es mit den Bankeinlagen, die im vierten Quartal um mehr als 70 Milliarden Euro in die Höhe gingen, im Vergleich zu 28,5 Milliarden Euro vor dem bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise.
Pensionskasse als beliebte Geldanlage verliert
Deutlich zeigt sich die Verunsicherung der deutschen Haushalte an der Summe von 10,2 Milliarden Euro, zum Ende des Jahres 2008 in Versicherungen und Pensionskassen angelegt war. Vor dem Fall von Lehman hatten die Deutschen darin fast 34 Milliarden Euro investiert. Einen Tiefpunkt erlitt die Aktie als Anlageform, die aber schon vor dem September von vielen Anlegern abgestoßen wurde, schreibt das "Handelsblatt".
Vermögen der Haushalte sinkt
Insgesamt ging das Finanzvermögen der deutschen Haushalte im Krisenjahr 2008 erstmals seit dem Platzen der Dot.com-Blase 2002 wieder deutlich zurück. Es betrug zum Jahresende im Schnitt 4000 Euro weniger je Haushalt als ein Jahr zuvor, nämlich 111 000 Euro, schreibt das "Handelsblatt". Das Sachvermögen stieg leicht von 132 000 auf 134 000 Euro.