Die Finanzmarktrichtlinie der EU, die "Mifid" wird in deutsches Recht umgesetzt und ab November in Kraft treten. Nach Ansicht Jochen Eichhorns von der Wirtschaftskanzlei "Lachner Graf von Westphalen Spamer" wird sie sowohl für Banken als auch für die Kunden ein Mehr an Bürokratie bedeuten, aber auch mehr Transparenz und bessere Leistungen ermöglichen.
In einem Interview mit der Financial Times Deutschland führte er aus, die Finanzinstitute müssten nun sämtliche Prozesse und Dokumentationen daraufhin "überprüfen, ob Mifid Änderungen notwendig macht, auch wenn diese im Einzelfall nur geringfügig sein mögen". Auch die Kunden müssten sich auf mehr Informationen und Formulare einstellen, die ver- und bearbeitet werden wollen.
Er glaube aber, "dass mittel- bis langfristig die Vorteile für den Kunden überwiegen werden". Viele Vorgaben seien darauf ausgerichtet, bei den Finanzdienstleistern die Abläufe zu optimieren und den Kunden bessere Leistungen anzubieten. Außerdem könnte die Akzeptanz von neuen und transparenten Vergütungsmodellen gefördert werden, wenn die Kunden künftig sehen, wie viel Provision in bestimmte Produktpreise eingerechnet ist.
Bislang seien Kunden oft nicht dazu bereit, für Anlageberatung zu zahlen, so Eichhorn weiter. Das sei mit ein Grund dafür, warum die Vergütung der Vermittler oft über den Produktanbieter erfolgt, der das Honorar in den Preis gleich mit einrechnet. Wenn die Kunden dies nach Mifid mitgeteilt bekommen, könnte es sein, dass sie dann eine direkte Bezahlung des Beraters bei niedrigeren Produktkosten bevorzugen.
Einer aktuellen Ausgabe des "IR-Trendmonitor" zufolge erwarten die meisten Fachleute für Investor Relations (IR) "nur geringe positive Effekte auf den Kapitalmarkt". Ganze fünf Prozent der IR-Abteilungen in börsennotierten Unternehmen sehen durch die neue
Gesetzgebung mehr Transparenz auf dem Finanzmarkt, ergab die Umfrage unter 190 Fach- und Führungskräften aus der Finanzmarktkommunikation.
Fast alle rechnen dagegen mit zusätzlichen Kosten durch das TUG. Besonders die Befragten in IR-Abteilungen kleinerer Unternehmen erwarten eine tendenziell höhere
Kostenbelastung als größere Unternehmen. Vier von fünf Fachkräfte in IR-Abteilungen und mehr als die Hälfte der Fachkräfte in IR-Agenturen (60 Prozent) gehen von einem geringen
Wachstum ihrer Gehälter aus.
Der "IR-Trendmonitor" wird von "news aktuell", der IR-Agentur '"CAT Consultants" und der PR-Agentur "Faktenkontor" regelmäßig zweimal im Jahr durchgeführt.