Der US-Investor Christopher Flowers hält die vom Bund gebotenen 1,39 Euro pro Aktie seiner Anteile an der schwer angeschlagenen Hypo Real Estate (HRE) für zu wenig. Wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet, rückt damit seine Herausdrängung bzw. eine Enteignung durch den Bund näher.
Flowers will Anteile behalten
Das Übernahmeangebot des Bundes an alle Aktionäre der nach Angaben der Zeitung maroden aber systemrelevanten Pfandbriefbank läuft am 4. Mai aus. Der Investor aus New York hat durch sein Engagement bei der HRE etwa 1 Milliarde Euro verloren, erhofft sich als Anteilseigner an der HRE aber Schadensbegrenzung. Er argumentiert, dass der Bund auch mit einer Mehrheit von 75 Prozent voll handlungsfähig sei und von der Zusammenarbeit mit ihm profitieren könne, schreibt die Zeitung.
HRE existiert nur durch Milliardenhilfe vom Bund
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) bezeichnete Flowers Ankündigung als eine Fehleinschätzung der gegenwärtigen Situation. Gehe er auf das Angebot des Bundes nicht ein, so werde er enteignet. Einer möglichen Klage von Flowers sehe er gelassen entgegen, sagte Steinbrück.
Hätten der Bund und andere Banken die HRE nicht gerettet, wäre Flowers de facto längst enteignet, denn der Wert der Aktien läge dann bei Null. Ohne die Bürgschaften des Bundes und anderer Banken in Höhe von 102 Milliarden Euro wäre die Bank nach Angaben der FTD allerdings längst insolvent. Flowers argumentiert dagegen, der Nettobuchwert zum Jahresende habe bei 12,20 Euro pro Aktie gelegen.
Soffin will 90 Prozent der Anteile
Der staatliche Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) hat seinen Anteil an der HRE inzwischen auf 16,2 Prozent verdoppelt. Bei einer Hauptversammlung am 2. Juni will der Soffin mit einer massiven Kapitalerhöhung von maximal 5,64 Milliarden Euro den Anteil der bisherigen Aktionäre verwässern und dadurch mindestens 90 Prozent übernehmen, die nach Angaben der FTD nötig sind, um die restlichen Aktionäre aus dem Unternehmen zu drängen und die vollständige Kontrolle zu erlangen. Gelingt das nicht, will der Bund Flowers und die anderen Aktionäre per Gesetz enteignen. Das entsprechende Gesetz dafür wurde bereits von Bundestag und Bundesrat verabschiedet.
Flowers dagegen sei davon überzeugt, dass die HRE mit einer anderen Geschäftsstruktur und einem neuen Management wieder ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen werden könne. Unabhängig vom Ergebnis des Übernahmeangebotes prüfe Flowers "alle Optionen im Hinblick auf die Pläne der Bundesregierung für einen Squeeze-out (ausquetschen) oder eine Enteignung der Altaktionäre".
Zwei Gutachten von namhaften deutschen Rechtsprofessoren hätten gezeigt, dass es erhebliche Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit der entsprechenden Gesetze gebe, sagte Flowers. Aktionäre anderer systemrelevanter Banken, die auch den Rettungsschirm des Staates in Anspruch nehmen mussten, würden weder zum Verkauf gedrängt noch enteignet.