Die Stimmung unter den deutschen Privatanlegern hat sich zum Jahresanfang deutlich eingetrübt. Über 70 Prozent wollen mögliche Entlastungen durch das Konjunkturpaket II nicht komplett konsumieren, sondern zusätzlich auf die hohe Kante legen. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der DZ BANK.
Im Rahmen der aktuellen Erhebung gaben nur noch 28 Prozent aller privaten Investoren an, sie rechneten innerhalb der nächsten sechs Monate damit, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) steigen wird. Damit hat sich die Markteinschätzung der Investoren binnen drei Monaten erheblich verschlechtert. In der Oktober-Umfrage war noch nahezu die Hälfte aller Anleger optimistisch gestimmt.
"Der ungewöhnlich heftige Stimmungsumschwung ist unserer Meinung nach insbesondere auf die sich stetig verschlechternden Konjunkturaussichten zurückzuführen. Inzwischen glauben im Gegensatz zum Oktober offensichtlich nur noch sehr wenige private Investoren, dass sich die Wirtschaftslage - und damit auch das Börsenumfeld - schnell verbessert", kommentiert Peter Schirmbeck, Bereichsleiter Retail der DZ BANK.
Die negative Erwartungshaltung spiegelt sich auch beim Thema Konjunkturpaket II wider. Danach will lediglich ein Viertel der Anleger das zusätzliche Geld aus den Steuererleichterungen komplett für Konsumzwecke ausgeben. Deutlich über die Hälfte plant dagegen, zumindest einen Teil des Geldes zu sparen, und 17 Prozent der Befragten erklärten sogar, die gesamte Summe zurücklegen zu wollen.
Generell legen die Anleger bei der Geldanlage mehr denn je Wert auf die Sicherheit des Investments. Neun von zehn Investoren erklärten, diese sei für ihre Anlageentscheidung wichtig bzw. sehr wichtig. Ähnlich viel Relevanz maßen sie dem Vertrauen zur Bank und der Bonität des Kreditinstituts bei. Zudem gewinnt die finanzielle Stärke der Bank zunehmend an Gewicht. Die Rendite der Geldanlage spielte dagegen nur noch für 69 Prozent der Anleger eine wesentliche Rolle.
Bei den Anlageprodukten gewinnen Tages- und Festgeldangebote, Zertifikate und Geldmarktfonds in der Anlegergunst. So erklärten 76 Prozent der Befragten, dass eine Fest- oder Tagesgeldanlage für sie in Frage käme, wenn sie in den nächsten Monaten 10.000 Euro investieren würden (Oktober 2008: 72 Prozent; vor einem Jahr: 63 Prozent).
Den größten Sprung nach oben in der Beliebtheitsskala machten allerdings die Zertifikate. Die Präferenz der Anleger für diese stieg dabei innerhalb von drei Monaten wieder auf das Niveau vor Beginn der Finanzkrise. Inzwischen würden immerhin wieder 14 Prozent aller Befragten ein Investment in Zertifikate in Erwägung ziehen (Oktober 2008: 9 Prozent). Das mit Abstand größte Interesse haben sie dabei an Garantiezertifikaten und an Zertifikaten mit Teilabsicherung.
Das Interesse an einem Direktinvestment in Aktien ist dagegen auf nur noch 13 Prozent gefallen. Das ist der niedrigste Wert aller bisherigen Erhebungen im Rahmen des Anlegerindikators. "Nach den Verwerfungen im Herbst vergangenen Jahres haben die Anleger wieder Vertrauen in den Zertifikatemarkt gefasst. Das zeigt sich auch im täglichen Geschäft", fasst Peter Schirmbeck zusammen. "Garantiezertifikate, die wir in den vergangenen zwei Monaten emittiert haben, waren innerhalb kurzer Zeit überzeichnet. Deshalb haben wir die Zeichnungsfrist vorzeitig beenden müssen und ein Folgeprodukt aufgelegt."
Überraschend: Trotz des sehr hohen Sicherheitsbedürfnisses sind Bundesschatzbriefe in der Gunst der Anleger gegen den Trend erheblich gefallen. Für sie interessieren sich aktuell noch 38 Prozent der Befragten nach 44 Prozent im Oktober 2008.
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