In einer Online-Umfrage hat die Commerzbank das Verhalten von Aktienanlegern untersucht. Die Anleger waren aufgerufen, ihr Verhalten in wichtigen Entscheidungen einzuschätzen, heißt es in einer Mitteilung der Bank. Auf dem Forschungsgebiet der "Behavioral Finance" gehe man davon aus, dass der überwiegende Teil des Marktgeschehens nicht auf Fundamentaldaten oder geldpolitische Maßnahmen zurückzuführen ist, heißt es in der Mitteilung der Commerzbank weiter.
Dennoch habe knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer angegeben, dass ihre Entscheidung zum Kauf einer Aktie überwiegend auf Information basiere. Lediglich 13 Prozent halten ihr Bauchgefühl für entscheidend und 41 Prozent glauben, dass Informationen und Bauchgefühl gleichermaßen die Kaufentscheidung bestimmen.
Der Konzernleiter Private Banking der Commerzbank, Dr. Thorsten Reitmeyer warnt: "Wer glaubt, den Markt 'im Griff' zu haben, wenn er nur über ausreichend Informationen verfügt, überschätzt sich." Zum einen erhöhe die Überbewertung der eigenen Möglichkeiten die Bereitschaft Risiken einzugehen, etwa einen größeren Betrag einzusetzen als ursprünglich geplant.
Andererseits tendierten Menschen dazu, Signale und Daten stärker wahrzunehmen, die das geplante Engagement bestätigen. Entscheidend sei daher die Auswahl der Informationen: Der Anleger solle gezielt auch die Daten suchen, die gegen einen Kauf sprechen.
Gefährliche Zeugen
Gerne tauschen sich private Anleger mit Freunden oder Kollegen über geplante Transaktionen aus. Dabei erhöhen Zeugen die emotionale Bindung an das Investment enorm. Ist das Geschäft dann nicht erfolgreich, droht ein "Gesichtsverlust" und es fällt schwer, die Position rechtzeitig wieder abzustoßen. 51 Prozent der Befragten hatten diese Gefahr erkannt, sie gaben an, Bekannte oder Familienmitglieder nur selten zu Rate zu ziehen. 12 Prozent der Teilnehmer gaben an, nie über Details ihrer Geldanlage zu sprechen.
Umgang mit Gewinn und Verlust
Die Umfrage ergab weiterhin, dass Anleger zu spät auf Verluste reagieren. So kaufen 38 Prozent der Befragten Aktien zu, wenn der Kurs unter den Einstiegspreis gefallen ist. Auch hier widerspricht Reitmeyer: "Schlechtem Geld wirft man kein gutes hinterher. Hier hilft dem Anleger die simple Frage, ob er denselben Kauf nochmals tätigen würde, wenn er noch
nicht investiert hätte."
Als Faustregel empfehlen Behavioral-Finance-Experten ein Verhältnis von 3:1 - jedem riskierten Euro sollte eine Gewinnperspektive von mindestens drei Euro gegenüberstehen. Die Umfrage zeigt, dass dies schwer fällt, selbst wenn solche Ziele gefasst sind: Etwa ein Viertel verkauft die Position selten zu den gesetzten Kursgrenzen. Um eine vernünftige Entscheidungsbasis für Extremsituationen zu schaffen, sollten Kursziel und Verlustgrenze daher schriftlich fixiert werden.
An der Umfrage vom 13. Mai bis 3. Juni beteiligten sich 136
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