TÜV-Siegel für Wertpapiere und Vermögensanlagen sind für Verbraucher wenig hilfreich. Zu diesem Ergebnis kommt das Anlegermagazin "Börse Online" in seiner aktuellen Ausgabe nach seiner Auswertung der bislang vergebenen TÜV-Siegel für Finanzanlagen. Seit 2007 werden Kapitalanlageprodukte vertrieben, die vom TÜV Rheinland oder vom TÜV Nord zertifiziert wurden. Die Prüfkonzerne nehmen dafür die Plausibilität des jeweiligen Produkts unter die Lupe. Bei zwei Zertifikaten des TÜV Rheinland lässt sich laut 'Börse Online' die zusammenfassende Gesamtnote nicht einmal anhand der TÜV-Prüfungsergebnisse nachvollziehen.
Der TÜV Rheinland hat insgesamt zehn Zertifikate zur Fondsplausibilität ausgestellt, inzwischen dieses Geschäftsfeld aber aufgegeben. Der TÜV Nord hat bislang drei Mal Noten verteilt. Dabei durchleuchtete der TÜV zum Beispiel Geschlossene Fonds, eine Hypothekenanleihe und ein Genussrecht. Die Überwachungsvereine untersuchten die Produkte dabei anhand von jeweils 15 Prüffeldern. Die Qualifikation des Emittenten und des Managements gehören ebenso dazu wie das Fondsmodell, die Kosten, die Anlegerverständlichkeit und der Vertrieb. Die Prüfer treffen jedoch keine Aussage darüber, ob es plausibel ist, dass die prognostizierten Renditen auch eintreten können.
Die Bewertung verwundert in einigen Fällen, so "Börse Online". Der GarantieHebelPlan 09 der CIS AG etwa setzte auf riskante Zinsdifferenzgeschäfte. Solche Modelle seien in der Vergangenheit schon mehrfach daran gescheitert, dass sich Renditen und Aufwendungen für Darlehen anders entwickelten als erwartet. Dennoch halte der Verkaufsprosket der AG negative Szenarien eher kurz. Vom TÜV Nord gab es gleichwohl das Plausibilitätsurteil "Gut".
Beim TÜV Rheinland lasse sich die Note in zwei Fällen nicht einmal aus den eigenen Ergebnissen nachvollziehen. So erzielte die Genussrechtsemission Akura II der Akura II. Kapital Management AG in elf der 15 Prüffelder höchstens einen Erfüllungsgrad von 50 Prozent. 'Börse Online' liegt eine Aufstellung vor, der zufolge der zuständige Prüfer die Note "Akzeptabel" empfiehlt. Der TÜV Rheinland vergab jedoch ein "Gut". Vom TÜV gab es hierzu keine Stellungnahme.