Heute wurde im Rahmen der diesjährigen Statistischen Woche erstmals der „Index der wahrgenommenen Inflation (IWI)“ vorgestellt. Professor Brachinger von der Universität Fribourg (Schweiz) hat diesen Index entwickelt und in Kooperation mit dem Statistischen Bundesamt berechnet. Der „Index der wahrgenommenen Inflation“ weist in Deutschland für die Zeit von Januar 2001 bis Dezember 2002 mit monatsdurchschnittlichen 7 Prozent eine mehr als viermal so hohe Inflationsrate aus, als die vom amtlichen Verbraucherpreisindex ausgewiesene Rate. Dieser Zeitraum umfasst ein Jahr vor bis ein Jahr nach Einführung des Euro-Bargelds in den Mitgliedstaaten der Eurozone.
Dieser übermäßige Anstieg erklärt sich aus den überdurchschnittlich großen Preiserhöhungen in dieser Zeit, die gerade bei Gütern mit überdurchschnittlich hoher Kaufhäufigkeit auftraten. „Mit dem IWI haben wir – ausgehend von Erkenntnissen der Wahrnehmungspsychologie – die subjektive Inflationswahrnehmung der Konsumenten nachgebildet“, hielt Professor Brachinger fest. Der IWI basiere auf drei wesentlichen Annahmen: „Erstens werden Preissteigerungen höher bewertet als Preissenkungen. Zweitens schlägt es besonders zu Buche, wenn häufig gekaufte Produkte teurer werden. Und drittens orientiert sich die Wahrnehmung seit der Einführung des Euro-Bargeldes noch an einem mittleren letzten D- Mark-Preis, dessen Einfluss allerdings abnimmt.“, so Brachinger weiter.
Nach wie vor besteht ein sehr deutlicher Unterschied zwischen wahrgenommener und amtlich ermittelter Inflation. Denn auch 2005 verharrt die Inflationswahrnehmung auf einem monatsdurchschnittlichen Niveau von 7,4 Prozent. Frau Dr. Bechtold vom Statistischen Bundesamt erläuterte, dass die Ergebnisse der amtlichen Statistik nicht nur von Experten, sondern auch von der breiten Öffentlichkeit akzeptiert werden. Die nun vorliegenden Ergebnisse können besser erklären, wieso es zu Unterschieden zwischen subjektiver Inflationswahrnehmung und amtlich ermittelter Teuerung, also Messung der Geldwertstabilität, kommen kann.