Deutsche sind zaghafte Gründer. Das hat der "Global Entrepreneurship Monitor" (GEM) 2010 ergeben. Vor allem junge Menschen scheuen immer stärker die Risiken einer Existenzgründung. So stellten die 18- bis 24-Jährigen im vergangenen Jahr nur noch 3,5 Prozent der Gründer. 2002 hatte der GEM-Länderbericht Deutschland noch einen Anteil von 14 Prozent festgestellt.
In der jungen Generation schwindet der Unternehmergeist
Das Schwinden des Unternehmergeistes in der jungen Generation sei in Deutschland stärker als in vergleichbaren Ländern, teilt die Leibniz-Universität Hannover mit, an der die Studie entstanden ist. Dieser Vorgang sei auch nicht mit dem demographischen Wandel zu erklären, betonen die Autoren.
Deutsche haben besondere Angst vor dem Scheitern
Die Autoren stellten in Deutschland eine besonders große Angst vor dem Scheitern fest. Deutsche sehen ihre Gründungschancen demnach pessimistischer als Einwohner anderer Länder. Zurecht, wie die Forscher herausfanden: Bei den Rahmenbedingungen für Existenzgründer geben sie Deutschland schlechte Noten.
Schlechte Vorbereitung auf Selbstständigkeit, schlechtes Gründerklima
Nachholbedarf hat die Bundesrepublik demnach bei schulischer wie außerschulischer Vorbereitung auf die unternehmerische Selbstständigkeit. Außerdem fehlen gesellschaftliche Normen und Werte für ein gutes Gründungsklima. Lediglich der staatlichen Förderung stellen die Forscher ein gutes Zeugnis aus.
Migranten gründen öfter
In der Studie schnitten Einwohner mit Migrationshintergrund besser ab als Einheimische. So gründeten in den vergangenen drei Jahren rund sieben Prozent der Migrantinnen und Migranten ein eigenes Unternehmen. Von den Einheimischen wagten nur 3,5 Prozent den Schritt in die Selbstständigkeit.
Selbstständigkeit oder Arbeitslosigkeit?
Die höhere Gründungsfreudigkeit der Migrantinnen und Migranten führen die Forscher auf deren oftmals schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt zurück. Migranten stehen häufiger als Einheimische vor der Wahl zwischen Selbstständigkeit und Arbeitslosigkeit.
Migranten schaffen schneller Arbeitsplätze
Migranten gründen außerdem größere Unternehmen als Einheimische. So beschäftigen laut GEM-Länderreport Migranten zu 70 Prozent schon bei Gründung Mitarbeiter oder beabsichtigen, welche einzustellen. Bei Einheimischen liegt dieser Anteil bei 50 Prozent.
Hintergrund: Global Entrepreneurship Monitor
Der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ist ein internationales Forschungs- konsortium, das 1998 ins Leben gerufen wurde. Im Jahr 2010 beteiligten sich Forscherteams aus 57 Ländern am GEM. Abgesehen von 2007 liegen für Deutschland seit 1999 eine komplette Datenreihe für die jährlichen Bürger- und Expertenbefragungen sowie je ein Länderbericht Deutschland vor.
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