Die deutschen Behörden haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Kontenabfragen durchgeführt als in den Jahren zuvor. Die Finanzaufsicht BaFin zählte insgesamt 93.560 Zugriffe auf Kontendaten, berichtet die Tageszeitung "Die Welt" in ihrer Online-Ausgabe. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von gut 15 Prozent.
Die Gründe für die Abfragen sind neben strafrechtlichen Ermittlungsverfahren die Suche nach Steuerhinterziehern. Besonders stark nahmen die Anfragen von Staatsanwaltschaften zu. Sie riefen in 18.000 Fällen Kontendaten ab, was einer Steigerung von etwa 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Doch an der Spitze der Kontoschnüffler stehen nach wie vor Polizeibehörden.
Diese Abfragen kosten Geld. Zwar gibt es laut "Welt" keine offiziellen Zahlen zu den Kosten dieser Überwachungsmaßnahmen, doch Schätzungen der Branche gibt es schon: So habe allein der Aufbau der nötigen Systeme im Jahr 2005 rund 300 Millionen Euro gekostet. Dazu verursacht jede Abfrage weitere Kosten, die von den Banken und damit letztlich den Kunden getragen werden müssen.
Denn eine Abfrage bedeutet nicht, auf einen einzelnen Datensatz in einem bestimmten Unternehmen zuzugreifen. Vielmehr löst sie in der Folge zahlreiche weitere Unterabfragen aus. "Man muss sich das vorstellen wie eine Google-Volltextsuche im gesamten Datenbestand der Banken", zitiert die "Welt" einen Banker. Anhand des Namens und der Adresse eines Verdächtigen werden alle rund 2.000 Banken in Deutschland nach passenden Kontoverbindungen durchsucht. Das Datenvolumen und damit die Kosten vervielfachen sich damit.
Möglich sind diese flächendeckenden Kontoabfragen seit der Änderungen im Kreditwesengesetz vom April 2003. Seitdem sind die Banken verpflichtet, eine aktuelle Datei mit allen von ihnen in Deutschland geführten Konten und Depots bereitzuhalten. Das gleiche gilt in fast allen anderen EU-Staaten. Seit Mitte 2005 tauschen die Mitgliedsländer zudem ihre Kontrolldaten aus.