Die Bundesbürger sollten in nächster Zeit ihre Kontoauszüge besonders gründlich prüfen. Auf dem Schwarzmarkt für persönliche Daten sind nach Recherchen der "WirtschaftsWoche" die Bankverbindungen von 21 Millionen Bundesbürgern im Umlauf. Dem Magazin wurde vor kurzem eine CD mit 1,2 Millionen Datensätzen für knapp zwölf Millionen Euro zum Kauf angeboten. Darauf finden sich Namen, Adressen, Geburtsdaten, Kontonummern, Bankleitzahlen und teilweise sogar konkrete Angaben zur Vermögenslage. Inzwischen sei die CD zur Überprüfung bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. Das berichtet die "Frankfurter Rundschau" (FR).
Dem Bericht zufolge könnten Unbekannte mit den Daten im Extremfall Geld von einem Konto abbuchen, ohne dass dessen Inhaber eine Einzugsermächtigung erteilt hat. Daher empfiehlt der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar den Bürgern, die eigenen Kontoauszüge rasch, gründlich und regelmäßig zu kontrollieren.
Im Fall widerrechtlicher Abbuchungen ohne Einzugsermächtigung des Kunden gibt es die Möglichkeit, innerhalb von sechs Wochen die betreffenden Beträge aufs eigene Konto zurückzubuchen. Die Anweisung dafür sollte man einem Mitarbeiter in seiner Bank geben. Eine telefonische Mitteilung reicht. Liegt der Abbuchung - wie in diesem Fall - ein betrügerischer Akt zugrunde, dann ist die Rückbuchung auch länger möglich.
Die Datensätze könnten aus einigen der 5000 kleineren CallCenter in Deutschland stammen. Konzerne nutzen seit Jahren die Möglichkeit der Auslagerung von Dienstleistungen, um Kosten zu sparen. Besonders die Branchen Telekommunikation, Energieversorgung und beim Kabelfernsehen machten von dieser Möglichkeit Gebrauch, schreibt die FR.
Die Fremdfirmen übernehmen dann zum Beispiel den Kundenservice im Rechnungswesen oder die Bearbeitung von Beschwerden. Dazu erhalten sie umfangreiche Daten über Telefon-, Strom- oder Kabelanschlüsse und die Bankdaten von Verbrauchern. Experten vermuten dort undichte Stellen, zumal die Beschäftigten nach Angaben der Zeitung schlecht bezahlt werden und der Reiz so besonders groß sei, sich durch illegalen Datenhandel das Gehalt aufzubessern.
Angesichts dieses neuen Datenskandals fordern die Bündnisgrünen, das Sammeln und Verwenden von Kundendaten in der Wirtschaft stärker zu reglementieren und den Datenschutz ins Grundgesetz aufzunehmen. Die Linkspartei kritisiert, auf dem "Datengipfel" von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) seien bereits im September neue Gesetze versprochen worden.