In Deutschland verdienen Frauen im Durchschnitt 22 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Und das bei gleicher Qualifikation. Deutschland gehört damit laut der EU-Kommission zu den Staaten mit der größten Ungleichheit bei der Bezahlung in Europa. Das berichtet die Tageszeitung „DIE WELT“ in ihrer Online-Ausgabe.
EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla erklärt, dass das Lohngefälle nicht durch unterschiedliche Gehälter entstehe, sondern dadurch, dass mehr Frauen Teilzeit arbeiten würden. Auch in der EU verdienten Frauen im Durchschnitt 15 Prozent weniger als Männer. Dieser Wert sei seit 1995 relativ stabil. Ebenso stagniere die Zahl der Frauen in Führungspositionen bei 33 Prozent. "Obwohl die Frauen in der EU besser ausgebildet sind als Männer, sind sie schlechter bezahlt, ihre beruflichen Karrieren sind kürzer und verlaufen langsamer", kritisierte der ehemalige tschechische Ministerpräsident.
Vor einiger Zeit widmete sich dem Thema auch die Wochenzeitung DIE ZEIT (11/2008), die einen anderen Grund für die Lohn-Ungleichheit fand. Elke Horst, Ökonomin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, sieht die Ursache für ungleiche Bezahlung im veralteten Rollenbild der Frau. Die zumeist männlichen Chefs sehen Frauen immer noch zuerst im Haushalt und bei der Kindererziehung, für sie sind sie allenfalls Zuverdienerinnen. Dazu passt eine Untersuchung des DIW, nach der verheiratete Männer mehr verdienen als ledige und wenn sie Kinder haben, noch mehr, weil sie dann ja auch mehr brauchen. Das gilt für Frauen nicht: Mütter verdienen meistens schlechter als Frauen ohne Kinder.
„Der eigentliche Grund für Teilzeitarbeit vieler Frauen besteht jedoch darin, dass sie über weniger Zeit als Männer verfügen, weil sie sich um die Betreuung von Kindern oder Angehörigen kümmern müssen.“ Die Beschäftigungsquote von Frauen mit Kindern liege in der EU bei nur 62 Prozent (Männer: 91 Prozent). Für EU-Kommissar Spidla ist es nicht länger akzeptabel, dass Elternschaft die Erwerbsquote der Frauen so stark reduziere und die der Männer überhaupt nicht.
Er verlangt eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und mehr Frauen in Führungspositionen. "Gleichzeitig fordere ich die Arbeitgeber auf, das Prinzip gleicher Lohn für gleiche Arbeit auch wirklich anzuwenden.“