Deutschlands vermögende Verbraucher durchforsten heute eher
das Internet nach Schnäppchen, als ihren Reichtum in Designer-Boutiquen zur Schau zu
stellen oder sich Luxusurlaube zu gönnen. Diese Einstellung teilen nach einer von
MasterCard Europe in Auftrag gegebenen Studie 49 % der deutschen Gutverdiener und
liegen damit sogar leicht über dem europaweiten Trend (46,6 %). Laut der Untersuchung
haben auch die vielen Kommentare über die Ausgabegewohnheiten der Neureichen in den
Medien dafür gesorgt, dass ein öffentlich zur Schau gestelltes Konsumverhalten bei der
aufstrebenden Gesellschaftsschicht der „Mass Affluent Consumer“ in Deutschland und im
übrigen Europa weitgehend abgelehnt wird. Anstelle auffälligen Konsums und
verschwenderischer Ausgaben ist ein vernünftiger, zurückhaltender und verantwortlicher
Lebensstil getreten.
Für die Studie wurden über 3.500 Gutverdiener in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland und Irland befragt. Die Gruppe der "Mass Affluent Consumer", die über ein Jahreseinkommen von über 50.000 Euro verfügen, gilt als eine der wachstumsstärksten innerhalb der europäischen Bevölkerung.
Ihren Urlaub verbringen die deutschen neuen Wohlhabenden am liebsten mit sich selbst (35 %), zum Beispiel bei einem erholsamen Spa-Aufenthalt. Dann folgt aber gleich mit 29,1 % die gemeinsame Entspannung mit Partner und Kindern. In Frankreich (42,7 %,)
Irland (40,7 %), Großbritannien (37 %) und Russland (33,7 %) wurde dies an erster Stelle
genannt. Ein Luxusurlaub an einem renommierten Ort mit 5-Sterne-Service war in allen
Ländern am wenigsten begehrt. Hier führten die reicheren Briten mit 19 % die Liste, von
den Deutschen bevorzugten nur 9 % diese Urlaubsform.
Die Gutverdiener geben gerne zu, zu den eifrigsten Schnäppchenjägern auf dem Kontinent zu gehören. Obwohl die Erschwinglichkeit kaum ein Problem ist, gab die Mehrzahl (46,5 %) der von MasterCard Befragten an, sie würden vor dem Kauf alle Optionen und Preiskategorien prüfen inklusive Internetsuche, Preisvergleichsseiten und persönliche Empfehlungen. Tatsächlich kaufen nur 6,2 % der europäischen Gutverdiener (Deutschland 3 %), was sie möchten, ohne auf den Preis zu achten. Die Briten (57 %) halten am eifrigsten nach besseren Angeboten Ausschau, gefolgt von den Deutschen (49 %). Die Italiener (35 %) sind bei Kaufentscheidungen am wenigsten zurückhaltend.
Die Studie enthüllte auch eine vorsichtige Haltung der finanziellen Elite beim
Finanzmanagement. 38 Prozent der deutschen Befragten und damit deutlich mehr als der
europäische Durchschnitt (knapp über 29 %) meinten, dass sie aufgrund ihres hohen
persönlichen Einkommens konservativer in die Zukunft blicken und weniger geneigt sind,
persönliche und finanzielle Risiken einzugehen. Außerdem zeigte sich eine langfristige Einstellung in Bezug auf das Finanzmanagement: 35 % der europäischen Gutverdiener
(Deutschland 43 %) waren der Ansicht, sie müssten ihr Geld sparen, um für den Fall
gerüstet zu sein, dass ihr verfügbares Einkommen später einmal abnimmt.
Obwohl sie ihr Geld zusammenhalten, sind die europäischen Gutverdiener dennoch nicht
geizig. Die Mehrheit von ihnen betrachtet Geld vielmehr als Mittel für einen ethischen
Lebenswandel. Mehr als 37 % sind der Ansicht, dass es immer wichtiger wird, ihr
Vermögen zum Guten einzusetzen. Bei den französischen Gutverdienern ist die
Wahrscheinlichkeit am größten, dass sie sich verantwortungsvoll, sozial und ethisch
bewusst verhalten. 45 % der Befragten in Frankreich fanden es wichtig, ihren Wohlstand
für gute Zwecke zu verwenden. In Irland waren es 42 % und in Deutschland 37 %,
während die Russen mit 26 % das Schlusslicht bildeten.
Aus der Studie ging auch hervor, dass nur 3 % der gut verdienenden Verbraucher der
Meinung sind, Kreditkarten stellten für sie eine „Versuchung“ dar. Dagegen betrachteten
beachtliche 44 % der wohlhabenden Verbraucher in Europa (Deutschland 36,3 %)
Kreditkarten als praktische Zahlungsmethode und 25 % sahen ihn ihnen ein nützliches
Instrument für das Finanzmanagement. Von den Deutschen stimmten diesem Punkt
24,1 % zu.