McKinsey legt Studie zum Retail-Banking vor 

Trotz starken Wachstums steht das Retail Banking in Deutschland

vor einer ungewissen Zukunft. Die massiv gestiegenen Gewinne

vergangener Jahre sind vor allem auf Kostensenkungen, geringere

Kreditausfälle sowie steigende Aktienkurse und nicht auf nachhaltig

solides Wachstum zurückzuführen. Das geht aus einer neuen

Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey & Company hervor. Danach kommt es erstmalig zu einem harten Kampf um Marktanteile.



Besonders ausländische

Institute gewinnen mit neuartigen Produkten, standardisierten

Prozessen und innovativem Marketing im Neukundengeschäft

Marktanteile. Heimische Banken setzen dagegen bisher vor allem auf

ihre treuen Bestandskunden.



Auf den ersten Blick stehen Sparkassen,

Volks- und Universalbanken und fokussierte Institute in

Deutschland gut da. In den vergangenen fünf

Jahren hat sich der Gewinn in diesem Marktsegment mehr als verdoppelt. Bei den großen privaten Banken erreicht die Eigenkapitalrentabilität des

Privatkundengeschäfts in der Spitze sogar mehr als 30 Prozent. Beobachter sprechen von einer Aufholjagd deutscher Institute auf Konkurrenten aus dem

Ausland und einem Innovationsschub bei attraktiven Zinsprodukten.



"Intelligent betrieben, ist das Privatkundengeschäft grundsätzlich

sehr lukrativ, eine große Chance für jede Bank", sagte

McKinsey-Partner Eckart Windhagen bei der Vorstellung der Studie in

Frankfurt. Allerdings setzten manche Banken dabei eher auf das

Prinzip Hoffnung, anstatt ihr Geschäftsmodell konsequent

weiterzuentwickeln. Es fehle der Branche an Substanz für nachhaltiges

Wachstum.

Unbeeindruckt kalkulieren Retail-Banken weiter mit einem günstigen Umfeld. Dabei sind auch Investoren längst nicht von einer nachhaltig

positiven Entwicklung überzeugt. Das hohe Bewertungsniveau deutscher

Banken ist, so McKinsey, maßgeblich auf den Wert aktueller Erträge

zurückzuführen. Die Erwartungen an langfristiges Wachstum sind nach

Angaben der Beratung bei den großen deutschen Banken in den letzten

Jahren deutlich zurückgegangen. Fallende Zinsen und scharfer

Preiswettbewerb haben in den vergangenen Jahren zu einem andauernden

Verfall der Zinsspreads geführt, die Aussagen darüber machen, wie

teuer Banken ihr Geld einkaufen und zu welchen Zinssätzen sie es

verleihen. Je größer der Spread, umso größer die Profite für die

Bank.



Im harten Kampf um Marktanteile sind ausländische Banken die

Impulsgeber. Wie aus der McKinsey-Studie hervorgeht, haben sie in den

vergangenen zehn Jahren in Deutschland mehr als 30 Milliarden Euro

allein in Übernahmen investiert. Zwei Dutzend heimische Banken oder

Teile davon wurden übernommen. Die deutschen Institute haben von den

neuen Wettbewerbern gelernt. Sie haben das Prinzip Lean eingeführt:

mehr Servicequalität bei günstigeren Kosten. Und sie haben ihre

Vertriebe mit finanziellen Anreizen an Erfolg gebunden. "Aus

Bankern", so McKinsey Partner Markus Habbel, "werden Verkäufer

gemacht." Zwar haben sich durch das stabile Bestandskundengeschäft

die Marktanteile bisher noch wenig verschoben. Aber es gibt zunehmend

Bewegung. Besonders im Neugeschäft verlieren traditionelle Banken an

Boden. Die klassische Hausbank büßt in Deutschland ihre starke

Position ein. 2005 wurden nach Schätzungen von McKinsey insgesamt 20

bis 25 Millionen Finanzprodukte gekauft, davon mehr als die Hälfte

außerhalb etablierter Kundenbeziehungen. Kunden von Sparkassen oder

Volks- und Raiffeisenbanken entschieden sich in rund 5 Millionen

Fällen für Produkte von Spezialanbietern wie ING DiBa, comdirect oder

DaimlerChrysler Bank sowie von Großbanken wie Deutsche oder Dresdner.

Kunden dieser Universalbanken wiederum kauften mehr als 1,5 Millionen

Produkte bei Spezialanbietern.



Die Beratervon McKinsey legen in ihrer Untersuchung ein Grundmuster für modernes

Retail Banking vor. Danach setzen sich erfolgreiche Manager

aggressive Produktivitätsziele. Sie nutzen konsequent jede

Gelegenheit zu strukturellen Veränderungen, zum Beispiel Offshoring.

Sie investieren massiv in Marketing und formen aus Bankangestellten

überzeugende Vertriebsleute. Sie realisieren jede Chance auf Zukäufe.



Schließlich suchen sie nach Chancen im Ausland. Dabei sind nach

Überzeugung von McKinsey der große Heimatmarkt sowie die

wiedergewonnene Ertragskraft die beste Ausgangssituation für

internationale Expansion. Banken etwa in der Schweiz oder

Skandinavien waren wegen ihrer zu kleinen Heimatmärkte schon vor

Jahren gezwungen, Wachstum jenseits ihrer Grenzen zu suchen. Deutsche

Banken, so McKinsey, könnten sich wesentlich intensiver als bisher im

Ausland engagieren.

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