Obwohl in letzter Zeit viele neue Hindernisse für Online-Banking-Betrüger aufgebaut worden sind, nimmt die Zahl der Betrugsdelikte mit geklauten Konto- und Identitätsdaten ("Phishing") zu. Wie das Bundeskriminalamt (BKA) der Presse mitteilte, stieg die Zahl der Internet-Straftaten insgesamt, in besonderem Maße aber auch die Zahl der erfolgreichen "Phishings".
Beim "Phishing", das in der Statistik nicht gesondert ausgewiesen wird, verzeichnete die Polizei hohe Zuwächse, obwohl die Banken ihre Sicherheitsvorkehrungen stark verbessert haben. Das berichtet die Financial Times Deutschland. 2006 wurden dem BKA 3.500 "Phishing"-Fälle bekannt, mit einer durchschnittlichen Schadenshöhe von 2.000-3.000 Euro. 2007 werden es noch mehr sein, stellte der BKA-Internetexperte Mirko Manske auf einer Konferenz der Behörde in Wiesbaden klar. Zudem gebe es eine sehr hohe Dunkelziffer, unter anderem weil Banken wenig Interesse daran hätten, Betrugsfälle zu melden.
"Wir hatten eigentlich ein Nachlassen erfolgreicher Angriffe erwartet", sagte Hauptkommissar Manske. "Das ist aber nicht eingetreten." Die Banken hätten zwar aufgerüstet, etwa mit dem neuen "iTan"-Verfahren, doch auch dies können die Internet-Kriminellen mittlerweile knacken. Auch das Abbilden virtueller Kontrollbilder, aus denen der Kunde eine Botschaft herauslesen soll, stelle keine technische Hürde mehr für Betrüger dar.
Dabei schreiben die Betrüger nur noch selten die klassischen "Phishing"-Mails mit der Aufforderung, wegen irgendwelcher Überprüfungen die Kontozugangsdaten einzugeben. Mittlerweile arbeiten sie mit Spionagesoftware, sogenannter Malware, die per E-Mail oder Download-Datei unbemerkt auf den Rechner kommt. Diese Malware kann inzwischen nicht nur Daten ausspähen, sondern auch Überweisungsaufträge oder sogar Kontrollanfragen des Banken-Rechners manipulieren. 90 Prozent aller gestohlenen Online-Identitäten in Deutschland werden inzwischen mit bösartiger Software geklaut.
Auch der Bundesverband deutscher Banken hat erst Anfang dieser Woche Online-Banker zu mehr Aufmerksamkeit aufgerufen. "Die Programme sind teilweise sehr, sehr perfide", sagte eine Sprecherin des Bankenverbands. Das nach aktuellem Stand der Technik sicherste Verfahren beim Online-Banking, das sogenannte Home Banking Computer Interface (HBCI), hat sich allerdings in Deutschland bisher nicht durchgesetzt. Hierfür ist ein Chipkartenleser erforderlich, was viele Kunden abschreckt.
Gleichzeitig versicherte der Bankenverband aber, Online-Banking sei sicher, wenn man die Sicherheitshinweise beachte. Wenn ein leistungsfähiger Virenscanner installiert ist, der permanent online aktualisiert wird und regelmäßig einen vollständigen Systemcheck durchführt, ist man gegen fast alle Gefahren gerüstet.