Der Bankensektor der wichtigsten Entwicklungsländer (E7-Staaten) wird in den kommenden Jahren
überdurchschnittlich stark wachsen und bis 2050 der größte der Welt
sein. Angeführt von China und Indien dürften die E7 (China, Indien,
Brasilien, Russland, Indonesien, Mexiko und die Türkei) gemessen an
Gewinn und inländischem Kreditvolumen die Märkte der etablierten
Industrieländer hinter sich lassen, wie aus der Analyse "Banking in
2050: How big will the emerging markets get?" der
Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers
(PwC) hervor geht.
Gleichzeitig ist eine Konsolidierung des in vielen
Schwellenländern stark fragmentierten Bankensektors zu erwarten. "Wir
gehen von zahlreichen Übernahmen und Zusammenschlüssen aus, an denen
nicht nur lokale Institute, sondern auch westliche Banken beteiligt
sein werden. In umgekehrter Richtung sind auch Zukäufe von Banken der
E7-Staaten im Ausland wahrscheinlich", prognostiziert Markus
Burghardt, European Banking and Capital Markets Leader bei PwC.
Das Volumen der von Banken vergebenen Kredite wird 2050 in den
E7-Staaten bei annähernd 100 Billionen US-Dollar liegen und damit den
Vergleichswert der G7 (83 Billionen US-Dollar) deutlich übersteigen.
In China dürfte die Kreditsumme bereits 2010 höher sein als in
Deutschland oder im Vereinigten Königreich, im Jahr 2025 höher als in
Japan und 2050 mit 45 Billionen US-Dollar sogar das Kreditvolumen in
den USA übertreffen. Auch für Indien prognostiziert die Analyse ein
massives Wachstum. Lag das Volumen der ausgereichten Kredite im Jahr
2004 nur bei 400 Milliarden US-Dollar, dürften 2050 rund 23 Billionen
US-Dollar erreicht sein.
Auch gemessen an den erzielten Gewinnen wird der Bankensektor der
E7 im Jahr 2050 die Märkte der westlichen Industriestaaten hinter
sich lassen. Derzeit ist die Rendite im Bankgeschäft in den meisten
Schwellenländern höher als in den G7-Ländern. Dies wird sich noch verschärfen. Während die Prognoserechnung für den Bankensektor der G7
etwa eine Vervierfachung des Gewinns zwischen 2005 und 2050 ergibt,
vervielfacht sich der Ertrag auf den E7-Märkten etwa um den Faktor
25.
In 10 bis 20 Jahren werden einige Banken der Entwicklungsländer voraussichtlich in den Kreis der Global
Player aufsteigen. "Russische Banken
werben Investmentbanker aus London ab, chinesische Institute werben
um europäische und amerikanische Führungskräfte und Indiens Banken
suchen nach Fachpersonal, das bereits Erfahrungen bei westlichen
Finanzdienstleistern gemacht hat. Der 'Krieg um die Köpfe' hat
begonnen und wird in den nächsten Jahren noch härter", erwartet
Markus Burghardt.