Die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen ist im europäischen Vergleich besonders hoch. So werden Rechnungen in Deutschland in der Regel innerhalb von vier Wochen beglichen. In Italien hingegen lässt man sich durchschnittlich 81 Tage Zeit zum Bezahlen, so das Ergebnis des aktuellen Zahlungsmoralbarometer der Financial Times Deutschland (FTD). Dafür wurden 1200 Unternehmen in sechs europäischen Ländern zur eigenen und der Zahlungsmoral ihrer Kunden befragt.
Das bewährte Prinzip der Vorauskasse gerät in diesem Zusammenhang immer mehr in den Hintergrund. Heute zahlt der Kunde in der Regel erst, wenn die Ware weiterverkauft wurde oder sich im Umsatz niedergeschlagen hat. Dies bedeutet lange Wartezeiten für die Lieferanten bis sie ihr Geld bekommen, so die FTD.
Eine mögliche Erklärung für diesen Wandel gibt Thomas Langen, Regional Director vom ebenfalls an der Studie beteiligten Unternehmen Atradius für Deutschland, Mittel- und Osteuropa. So erklärt er gegenüber der FTD, dass insbesondere im Handel mit russischen Geschäftspartnern die deutschen Unternehmen bis vor Kurzem noch auf Vorauskasse bestanden hätten. Seit der internationale Wettbewerb in dieser Region jedoch gestiegen sei, lasse sich dieses Vorgehen aber nicht mehr durchsetzen.
"Im stärker werdenden Wettbewerb können die Lieferanten Vorauskasse nur noch selten durchsetzen", bestätigt Wolfgang Liebernickel, Leiter der Grundsatzabteilung vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMV). "Da muss der Kunde schon unbedingt auf die Ware angewiesen sein und keine Ausweichmöglichkeiten haben." Es sei nicht nur der Wettbewerb, hält Schneider-Maessen vom Verein für Kreditmanagement der FTD zufolge dagegen, zugleich sei das Vertrauen zwischen den deutschen Exporteuren und ihren neuen Partnern in Russland, aber auch in China gewachsen.
Lange Wartezeiten bis Rechnungen begleichen werden, sind ein ernsthaftes Problem, gerade für kleine und mittlere Unternehmen: "Der Lieferantenkredit ist mittlerweile zu einer sehr gängigen Finanzierungsform geworden", sagt Wolfgang Liebernickel vom BVMW. "Das kann für viele kleinere Unternehmen gefährlich werden, da sie oft über wenig Eigenkapital verfügen und damit über wenige Handlungsspielräume." Ein Zahlungsausfall oder auch nur eine verzögerte Zahlung könne im Einzelfall letztlich bis zur Insolvenz führen, mahnt der Verbandsvertreter.