Das Europäische Parlament (EP) hat sich für die Einführung des "einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums" ("Single European Payment Area" = SEPA) ausgesprochen. Dadurch sollen vor allem Bankgeschäfte wie Überweisungen oder Kartenzahlungen europaweit vereinheitlicht und damit so schnell und kostengünstig werden wie im Inland.
Im Vorfeld der Abstimmung hatten sich Vertreter von EP, Kommission und Rat auf einen Kompromiss geeinigt, der eine Verabschiedung der Richtlinie in Erster Lesung ermöglicht. Nach der endgültigen Zustimmung des EU-Ministerrates könnten die Mitgliedsstaaten die Richtlinie bis November 2009 umsetzen. 2010 soll sie in Kraft treten. Die Kreditwirtschaft hat sich freiwillig dazu verpflichtet, Sepa bereits 2008 einzuführen.
Wie das Handelsblatt berichtet, hofft die EU-Kommission, durch die Vereinheitlichung der bisher national unterschiedlichen Systeme könnten die Gebühren für Zahlungen sinken. Sie rechnet mit insgesamt 50 bis 100 Milliarden Euro weniger Kosten pro Jahr für die Verbraucher. Auch müssten Bankkunden für Geldgeschäfte in der EU nur noch ein Konto eröffnen, was ebenfalls Gebühren sparen hilft. Die Aussicht auf sinkende Gebühren beurteilt Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) dagegen skeptisch: "Wir sehen diesen Automatismus nicht."
Mit Sepa sollen auch alle Inlandszahlungen auf das europaweite System umgestellt werden. Zukünftig müssen auch bei Überweisungen innerhalb Deutschlands die internationale Bankkontonummer (IBAN) und die internationale Bankleitzahl (BIC) des Empfängers angegeben werden. Bereits ab 1. Januar 2008 dürfte es eine Vereinheitlichung grenzüberschreitender Überweisungen geben. Das plant jedenfalls der Europäische Bankenverband (EBF).
Außerdem sollen Überweisungen innerhalb der EU schneller werden: Ab 2012 müssen Überweisungen, bei denen keine Währungsumrechnung erforderlich ist, spätestens am Ende des folgenden Arbeitstags auf dem Empfängerkonto gutgeschrieben sein. Pauli bezeichnete die Regelung gegenüber dem Handelsblatt als "überfällig". Die Banken dagegen rechnen mit stark steigenden Kosten und lehnen die Regelung ab.
Neu eingeführt wird die europäische Lastschrift, mit der ein Kunde Rechnungen per Bankeinzug bezahlen kann. Nach Einschätzung von Pauli müssen sich hier deutsche Kunden auf gravierende Änderungen einstellen. Während im deutschen Zahlungsverkehr Lastschriften relativ problemlos in Gang zu setzen und auch wieder zu stoppen seien, gebe es in anderen EU-Staaten viel längere Fristen und Gepflogenheiten. "Das europäische Lastschriftverfahren hinkt dem, was wir in Deutschland haben, eindeutig hinterher", betont der Finanzfachmann.
Die alten Zahlungswege sollen zunächst parallel zu den neuen weiterlaufen. In dieser Zeit sollen sich die Bankkunden an die neuen Vorgaben gewöhnen. Bis 2012 soll der überwiegende Teil des Massenzahlungsverkehrs umgestellt sein, sodass die Zahlungsmittel in der bisherigen Form irgendwann ganz verschwinden.