Die Deutschen sind beim Konsum noch immer sehr zögerlich. Diesen Schluss
zieht Dr. Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, aus den Daten für das
deutsche Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal, die das Statistische
Bundesamt heute veröffentlicht hat. "Der Rückgang der Konsumausgaben um
0,4 Prozent trotz Fußball-Euphorie ist eine riesige Enttäuschung. Die lang
anhaltende Schwächephase beim Konsum in Deutschland ist noch lange nicht
überwunden."
Eigentlich sind die Voraussetzungen für eine Ausweitung des
Privaten Verbrauchs angesichts der steigenden Beschäftigung in Deutschland
günstig. Neben dem hohen Ölpreis dürfte aber vor allem die anhaltende
politische Diskussion über immer neue mögliche Belastungen die
Konsumbereitschaft der Haushalte beeinträchtigt haben, so die Postbankanalysten.
Sehr erfreulich ist laut Postbank Research dagegen die Entwicklung der
Investitionstätigkeit in Deutschland. Dank steigender Gewinne und einer
soliden Auftragslage vor allem aus dem Ausland investieren die deutschen
Unternehmen wieder kräftig in neue Ausrüstungen und Bauten. Damit dürfte
auch die Talsohle für die Bauwirtschaft endgültig erreicht sein. Der
Außenhandel wird in diesem Jahr in ähnlichem Maße zum BIP-Wachstum
beitragen wie im Vorjahr.
Für das laufende Jahr rechnet Postbank Research mit einem Wachstum des
Bruttoinlandsprodukts von 2,2 Prozent in Deutschland. 2007 wird die Wachstumsrate nur noch halb so hoch ausfallen. Für den Privatkonsum geht die Postbanker davon aus, dass infolge der Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn ein Einbruch zu verzeichnen sein wird. Im Gesamtjahr soll es dann nur
einen mageren Zuwachs geben. Bei den Investitionen zeichnet sich von
hohem Niveau aus eine leichte Beruhigung ab, während der Außenhandel einen
unverändert wichtigen Wachstumsbeitrag leisten wird.