Die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland ist 2006 erneut gestiegen. Dabei konzentrieren sich Schuldenprobleme in bestimmten Regionen und Altersgruppen: Im Norden Deutschlands und unter Jüngeren sind die stärksten Zuwächse zu verzeichnen. Das Tempo des Anstiegs habe sich jedoch verlangsamt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Schuldneratlas 2006" der Unternehmensberatung Creditreform.
Die Schuldnerquote ist zwischen 2005 und 2006 von 10,4 auf 10,6 Prozent gestiegen. Die Betroffenen sind weiterhin mehrheitlich männlich – und leben vielfach in Gebieten, in denen schon in den letzten Jahren besonders viele Menschen überschuldet waren. "Schuldenghetto" nennen das die Autoren der Studie und konstatieren, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Immer häufiger führe Verschuldung zu Überschuldung und anschließend zur Verarmung, besonders wenn Arbeitslosigkeit und sinkendes Einkommen im Spiel sind.
Der Anteil der überschuldeten unter 20-Jährigen ist im vergangenen Jahr um ein Drittel auf 0,9 Prozent gestiegen, während die Zahlen in den Altersgruppen 40-49 und 30-39 sich kaum verändert haben. Die meisten Überschuldeten leben der Studie zufolge in norddeutschen Ballungsräumen – die Stadt Bremerhaven hat mit 20,7 Prozent die größte Schuldnerdichte in Deutschland. Auf dem Land sehe die Situation etwas besser aus, wie die Aufschlüsselung der Schuldnerquote nach Kommunen deutlich macht.
Die Studie zeigt außerdem ein deutliches Nord-Süd-Gefälle: Die niedrigsten Schuldnerquoten weisen die Länder Bayern (7,7 Prozent), Baden-Württemberg (8,0 Prozent) und Sachsen (9,8 Prozent) auf. Die höchsten Schuldnerquoten haben Bremen (15,3 Prozent), Berlin (15,2 Prozent) und Sachsen-Anhalt (13,4 Prozent).
"Die Verbraucherinsolvenzentwicklung zeigt seit Jahren steil nach oben", sagte Helmut Rödl, Vorstandsmitglied der Creditreform am Donnerstag in Düsseldorf. Allein im ersten Halbjahr haben nach Angaben der Creditreform knapp 44 000 Menschen einen Antrag auf Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens gestellt. Das seien 41 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Wege in die Schuldenfalle seien häufig der kreditfinanzierte Konsum und mangelnde finanzielle Allgemeinbildung. In diesem Zusammenhang kritisierte Rödl besonders, dass die Schuldnerberatungsstellen der Nachfrage nicht Herr würden – Wartezeiten von über einem Jahr auf einen Beratungstermin seinen nicht ungewöhnlich.