Das "Schwarzbuch Börse" der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) listet alljährlich die schlimmsten Verstöße gegen die guten Sitten und die Interessen der Aktionäre auf. Vor allem die Deutsche Bank, aber auch die IKB Bank stehen auf der Negativliste ganz oben.
Wie die tageszeitung (taz) berichtet, bekam die Deutsche Bank den Negativpreis "IPO-Zitrone für den schlechtesten Börsengang". Vier Börsengänge mit einem Gesamtvolumen von 3,5 Milliarden Euro betreute das größte deutsche Bankhaus im letzten Jahr und alle vier verliefen ausgesprochen schlecht. Die vier Unternehmen - Tognum, Versatel, alstria und Wacker Construction - seien zu teuer und schlecht beraten an die Börse gebracht worden, so die SdK. Die maximalen Verluste der vier betrugen 50 Prozent, im Schnitt hatten die Unternehmen und die beteiligten Aktionäre zum Jahresende 2007 ein Viertel ihres eingesetzten Kapitals verloren.
Die Zeitung "Die Welt" widmet sich dagegen der IKB Bank, deren riskante Spekulationen mit US-amerikanischen Immobilienkrediten zu Milliardenverlusten führten. Die Aktie der Bank, die sich mehrheitlich in öffentlicher Hand befindet, stürzte von 33 auf unter fünf Euro. Die KfW-Bank, die zu den größten Anteilseignern zählt, griff mehrfach ein, um die Mittelstandsbank vor der Insolvenz zu bewahren. Die jetzt diskutierten Rettungspläne werden die Steuerzahler Millionen kosten.
Weitere Banken, die den Anlegerschützern negativ auffielen, sind die West LB und der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Noch Ende 2007 versicherte der Vorstand der Hypo Real Estate, man sei kaum von der US-Immobilienkrise betroffen. Im Januar wurde dann auf einmal eine Abschreibung von knapp 400 Mio. Euro verkündet. Es folgte ein beispielloser Kurssturz, der auf einen Schlag 2,4 Mrd. Euro an Marktwert vernichtete. Im Schwarzbuch ist von einem "massiven Vertrauensverlust" die Rede, schreibt die "Welt".
Bei der West LB ermittelt mittlerweile sogar die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Kursmanipulationen. Die Bank setzte beide Börsengänge, die sie im Jahr 2007 betreut hatte, in den Sand: 40 Prozent betrug der Verlust beim Immobilienhändler Estavis und bei der Invision Software AG. Hinzu komme die immer teurer werdende Verstrickung in die US-Immobilienkrise und Spekulationsverluste auf dem deutschen Aktienmarkt.