Der EZB-Rat hat auf seiner letzten Sitzung die Zinsen für den Euroraum um 25 Basispunkte erhöht. Das bedeutet, der Leitzinssatz beträgt ab dem 13. Dezember 3,50 Prozent. Das ist die sechste Zinserhöhung in Folge – seit letztem Jahr haben sich damit die Zinsen im Euro-Raum um 1,5 Prozent erhöht.
In seinem Einleitungsstatement zur Pressekonferenz begründete EZB-Präsident Jean-Claude Trichet den Schritt mit drohender Inflationsgefahr. Die Jahresinflation sei mit dem November 2006 auf 1,8 Prozent gestiegen und werde 2006 voraussichtlich einen Wert über 2 Prozent erreichen. Unter anderem aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland erwartet die EZB eine weitere Preissteigerung Anfang 2007. Dies deutet darauf hin, dass die Kette der Zinserhöhungen noch nicht abreißen wird.
Trichet betonte, das europäische Wirtschaftwachstum sei auch im dritten Quartal stabil geblieben, auch wenn es geringer ausgefallen sei als in der ersten Jahreshälfte. Die Wirtschaftsexperten des Eurosystems hätten ein Jahreswachstum von 2,5 bis 2,9 Prozent für 2006 und zwischen 1,7 und 2,7 Prozent für 2007 vorausgesagt.
Einem ersten Bericht der Financial Times Deutschland zufolge reagierte die deutsche Finanzwelt gelassen auf die Erhöhung der Leitzinsen. Der neuerliche Zinsschritt sei allgemein erwartet worden und auch gerechtfertigt, kommentierten übereinstimmend der Bundesverband deutscher Banken (BdB), der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV). SPD-Fraktionsvize Joachim Poß bedauerte dagegen, die EZB setze "mit der Leitzinsanhebung ein Zeichen, das sich gleich doppelt negativ auf die Konjunktur auswirken könnte."
Die Financial Times Deutschland sieht auch Anzeichen für eine Zinspause. So ging der Ölpreis im Sommer deutlich zurück, und der Euro sei vor zwei Wochen nach oben "ausgerissen". Wenn diese Entwicklungen andauerten, würden sie Inflationstendenzen entgegenwirken.