Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung von Volkswirten international führender Banken ihren Leitzins bis Ende des Jahres auf 3,50 Prozent anheben. Wie die monatliche Zinsumfrage der Financial Times Deutschland (FTD) ergibt, rechnen alle befragten Beobachter mit einer Zinserhöhung auf der EZB-Sitzung am Donnerstag und fast 90 Prozent mit einem weiteren Schritt am 7. Dezember.
Die Zinserhöhung um insgesamt 100 Basispunkte (1 Prozent) seit Dezember vergangenen Jahres hat die EZB mit der zu hohen Inflation begründet. Das Wirtschaftswachstum sei dagegen robust genug. Die EZB hatte Ende August ihre Wachstums- und Inflationsprognose angehoben. Für dieses Jahr prognostiziert sie nun ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,5 und für 2007 von 2,1 Prozent. Die Teuerungsrate erwartet sie 2006 und 2007 bei 2,4 Prozent - deutlich über ihrem eigenen Preisziel von „unter, aber nahe zwei Prozent". Das spricht für eine Zinsanhebung am kommenden Donnerstag und womöglich eine zweite Anfang Dezember.
Was danach kommt, darüber herrscht Uneinigkeit. Während einige den Leitzins in einem Jahr bei 4,0 Prozent sehen, rechnen andere mit 3,0 Prozent. Schon für den Rest diesen Jahres sehen einige Analysten den Inflationsdruck sinken. So prognostiziert Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank, die Inflation werde im Oktober nur noch 1,7 Prozent betragen. „Der EZB werden die Argumente für einen Zinsschritt im Dezember ausgehen", zitiert ihn die FTD. Er schätzt, dass die EZB beim gegenwärtigen Ölpreis im Dezember ihre Inflationsprognose für 2007 um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte senken muss.
Details zum starken Rückgang der Inflation im September wird Eurostat erst im Oktober mitteilen. Zahlen aus Deutschland von Anfang vergangener Woche legen den Schluss nahe, dass vor allem der jüngste rapide Rückgang des Ölpreises zur Preisstabilität beigetragen hat. Auch die EZB hat mehrfach betont, dass es verfrüht sei, die aktuelle Preiskorrektur als nachhaltigen Trend zu interpretieren.