Zwangsmaßnahmen auf hohem Niveau 

Die Zahl der Zwangsmaßnahmen zur Eintreibung offener Forderungen bleibt weiter auf hohem Niveau. Zwar gingen die Zahlen für Eidesstattliche Versicherungen und für Haftanordnungen zu deren Vollstreckung leicht zurück. Gleichwohl wurden in Deutschland im ersten Halbjahr 2006 509.740 Eidesstattliche Versicherungen abgegeben und 287.814 Mal die Haft zur Vollstreckung der Eidesstattlichen Versicherung angeordnet, wie eine Studie der Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH ergab.

Im Gegensatz zum Vorjahr gingen die Zahlen um insgesamt 3,5 Prozent zurück. Diese Entwicklung hängt einerseits zusammen mit dem rückläufigen Konsumverhalten,

andererseits mit der Kreditzurückhaltung in den vergangenen Jahren.

Denn: Hinter jeder der Zwangsmaßnahmen steht ein Konsument, ein

Selbstständiger oder auch der Inhaber eines Kleingewerbes, der die

Flut der Rechnungen und damit die Finanzen nicht mehr im Griff hat.

Das Entstehen der Forderungen und damit der Schulden liegt zum

Zeitpunkt des Erlasses der Vollstreckungsmaßnahme meist schon ein bis

zwei Jahre zurück.

Im Konsumentenbereich sind Not leidende Ratenkredite bei Banken, Versendern oder Leasingunternehmen der Grund für hohe Schulden. Im

geschäftlichen Bereich führen vor allem Managementfehler, mangelndes

wirtschaftliches Know-how und schlechtes Kredit- und

Forderungsmanagement zu hohen Außenständen und Liquiditätsengpässen.

Der Erlass einer Zwangsmaßnahme ist daher häufig der Beginn einer

Schuldenkarriere, die nur schwer aufzuhalten ist. Oftmals sind

mehrfache Zwangsmaßnahmen erste Anzeichen für die drohende

Zahlungsunfähigkeit, so die Bürgel-Studie.

Zum Schutz vor gerichtlichen Maßnahmen und um finanziell stabil zu bleiben, sollten vor allem Kleinbetriebe und Selbstständige lernen, Finanzen professioneller zu managen. Auch für Konsumenten ist der

richtige und bewusste Umgang mit dem verfügbaren Einkommen wichtig.

"Die noch immer sehr hohe Zahl der gerichtlichen Zwangsmaßnahmen

zeigt, dass bei Privatpersonen ein hoher Aufklärungs- und

Informationsbedarf besteht", so Dr. Norbert Sellin, Geschäftsführer bei Bürgel.

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