Europas Wohlstand im Vergleich 

Die Wohlstandsniveaus der alten und neuen EU-Mitgliedsstaaten nähern sich einander an. Wie die Studie "GfK Kaufkraft Europa 2007/2008" des Marktforschungsunternehmens GfK zeigt, haben die Bewohner einiger osteuropäischer Metropolen manche westeuropäische Gemeinde bereits in Sachen Kaufkraft überholt. Im Gesamtvergleich der Länder liegen die neuen EU-Mitglieder aber noch immer hinten. Die Studie berechnet jährlich flächendeckend für 40 europäische Länder und Gemeinden das durchschnittliche Netto-Jahreseinkommen.



Für das Jahr 2007 ermittelte die GfK ein Einkommen von insgesamt rund 8 Billionen Euro, dass der Bevölkerung der 40 untersuchten Länder für Konsumausgaben zur Verfügung steht. Pro Kopf entspricht das einer mittleren Kaufkraft von rund 12.000 Euro. Mehr als das Doppelte dieses Mittelwerts können die Menschen in Luxemburg, Liechtenstein und der Schweiz für sich ausgeben - mit einer durchschnittlichen Kaufkraft von 27.500 Euro in der Schweiz und Lichtenstein sowie 27.400 Euro in Luxemburg sind diese drei Länder weiterhin Europas Wohlstandsoasen.

Deutschland liegt mit gut 18.000 Euro durchschnittlich verfügbarem Jahreseinkommen auf Platz 10. Die niedrigste Kaufkraft haben mit durchschnittlich 685 Euro im Jahr die Bürger Moldawiens – dies entspricht gerade mal einem Vierzigstel der Schweizer Kaufkraft. Doch die Kaufkraftwerte je Einwohner entwickeln sich in den einkommensschwachen Ländern deutlich positiv. Zum Beispiel ist in der Ukraine die Kaufkraft um rund 26 Prozent gewachsen – das ist mehr als in jedem anderen Land.

Slowenien, das wohlhabendste der im Jahr 2004 zur EU gestoßenen Länder, liegt mittlerweile um weniger als 1.000 Euro hinter dem ärmsten westeuropäischen Land Portugal mit 9.674 Euro durchschnittlichem Jahreseinkommen. Dennoch teilt die Tabelle nach wie vor klar die alten EU-Migliedsländer (Rang 1 bis 19) von den neuen (Rang 20 bis 33). Eine Ausnahme gelingt lediglich dem Neuzugang Zypern, der es vor Griechenland und Portugal auf Rang 17 schaffte. Die Türkei liegt vor den EU-Neumitgliedern Rumänien und Bulgarien auf Platz 31.

Dabei zeigt sich: Stadtbewohner sind im Durchschnitt reicher als die Menschen auf dem Land. So liegt die Kaufkraft der Bewohner der baltischen Hauptstädte um 25 Prozent (Riga) bis zu fast 30 Prozent (Vilnius) über dem Landesdurchschnitt. Einige der wohlhabenderen osteuropäischen Städte haben dabei schon ärmere westeuropäische Gemeinden hinter sich gelassen. Zum Beispiel wird die durchschnittliche Kaufkraft in Freienbessingen in Thüringen bereits von der in Budapest und in Vilnius überholt. In der kaufkraftschwächsten Gemeinde Italiens, Agerola, wo die Kaufkraft nur ein Drittel des Landesdurchschnitts beträgt, haben die Menschen weniger Geld zur Verfügung als ein durchschnittlichlicher Rigaer.

Die Einkommensunterschiede innerhalb der Stadtbevölkerung zeigen sich besonders eindrucksvoll am Beispiel Londons: Den Einwohnern des reichsten Londoner Distrikts stehen im Schnitt 10.000 Euro mehr zur Verfügung als denen des zweitreichsten. Es handelt sich dabei um zwei fast benachbarte Bezirke. Während die "City of London" für seine 9.200 Einwohner eine Pro-Kopf-Kaufkraft von 48.456 Euro verzeichnet, verfügen die 196.200 Bewohner von "Kensington and Chelsea" über "lediglich" 38.426 Euro im Jahr.