Hartz IV: Ein-Euro-Jobs verdrängen Arbeitsplätze 

Fast jeder zweite Hartz IV-Empfänger, der einem Ein-Euro-Job nachgeht, verdrängt nach eigener Aussage mit seiner Tätigkeit entgegen der gesetzlichen Vorschrift reguläre Arbeitsplätze. Bei einer Befragung im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit (BA) gaben 45 Prozent an, die gleiche Arbeit zu verrichten wie ihre festangestellten Kollegen. Die bisher noch unveröffentlichten Ergebnisse wurden vom Deutschen Gewerkschaftsbund Deutschland (DGB) ausgewertet und liegen der "Frankfurter Rundschau" (FR) vor.

Ein-Euro-Jobs bringen keine dauerhafte Beschäftigung

Entscheidend aus Sicht der Arbeitsmarktpolitik sei die Erkenntnis, dass sich die so genannten Ein-Euro-Jobs nicht als Brücke zum regulären Arbeitsmarkt und in dauerhafte Beschäftigung erwiesen haben, schreibt die "FR". So bewerteten die Befragten ihre eigenen beruflichen Chancen fast ausschließlich negativ: 61 Prozent von ihnen glauben nicht, dass die Arbeitsagenturen ihnen helfen könnten, einen Arbeitsplatz zu finden.

Nur jedem Achten würde überhaupt eine normale Vollzeitstelle angeboten, heißt es im Artikel. Zwei Drittel erklären, dass sich ihre Beschäftigungsperspektiven durch die mit Steuergeldern finanzierten Beschäftigungsprogrammen nicht verbessert hätten, schreibt die FR. Die 1 bis 2 Euro pro Stunde werden zusätzlich zu den Hartz IV-Leistungen gezahlt.

Kritik vom Bundesrechnungshof schon 2008

Dieser Befund deckt sich mit Aussagen des Bundesrechnungshofs (BRH). Dieser stellte in seinem Prüfbericht bereits im November 2008 fest, dass "die Arbeitsgelegenheiten aus Sicht des BRH für drei von vier Hilfebedürftigen weitgehend wirkungslos bleiben. Messbare Integrationsfortschritte waren nicht erkennbar."

Der Bundesrechnungshof kritisierte besonders, dass die geschaffenen Ein-Euro-Jobs nicht - wie vom Gesetzgeber festgeschrieben - zusätzlich geschaffen würden, sondern reguläre Arbeitsplätze verdrängten.

Ein-Euro-Jobs oft nicht zusätzlich

Beispielsweise ersetzen nach Angaben der Zeitung Ein-Euro-Jobber in der Altenflege ausgebildete Kräfte, statt zusätzlich als Betreuer zu arbeiten. Jeder Vierte gab an, für die Ein-Euro-Jobs sei eine abgeschlossene Berufausbildung erforderlich. In gemeinnützigen Unternehmen stünden sie vielfach mit privaten Handwerksbetrieben in Konkurrenz. Dabei ersetzten sie beispielsweise voll bezahlte Hausmeister oder Bauarbeiter, heißt es in der Stellungsnahme vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).

Durch die Wettbewerbsverzerrung der Ein-Euro-Jobs werden "reguläre Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit" geführt, kritisiert ZDH-Generalsekretär Hans-Eberhard Schleyer gegenüber der FR. Er appelliere daher an Städte und Gemeinden, Ein-Euro-Jobber nicht im Handwerk einzusetzen.

Ein-Euro-Jobs nur in Einzelfällen

Der DGB forderte zudem, diese Beschäftigungsmaßnahmen nicht mehr flächendeckend, sondern nur in Einzelfällen einzusetzen, etwa um schwer vermittelbare Menschen an regelmäßige Arbeit heranzuführen, schreibt die FR. Gegenwärtig hätten aber mehr als zwei Drittel der Befragten eine abgschlossene Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss. Außerdem müsse die Teilnahme freiwillig sein.

Für die repräsentative Untersuchung wurden 1232 Personen durch das Forschungsinstitut IAB der Bundesagentur für Arbeit befragt.