Hunderte Euro Unterschied bei Müllgebühren 

In Deutschland gibt es bei der kommunalen Müllabfuhr Preisunterschiede von mehreren Hundert Euro. Wie "SPIEGEL-ONLINE" berichtet, zeigt ein bundesweiter Vergleich der Abfallgebühren in den 100 größten deutschen Städten, dass manche lokalen Entsorger für die Müllabfuhr fünf Mal mehr Geld für den gleichen Service verlangen als anderswo.

Nach Angaben von "SPIEGEL ONLINE" kostet eine 120-Liter-Tonne in Gelsenkirchen 171 Euro im Jahr. In Aachen sind es 664 Euro - fast das Vierfache. Problematisch daran ist, dass Bürger an den kommunalen Abfallbetrieb gebunden sind und diesen nicht - wie einen Stromanbieter - wechseln können.

Die Kommunen orientierten sich bei der Festlegung der Gebühren offenbar nicht an der Größe einer Stadt oder daran, ob sie im Norden oder Süden des Landes liege, so eine Erkenntnis der Untersuchung. Selbst Städte, die sehr dicht beieinander liegen, haben demnach völlig unterschiedliche Gebührenhöhen.

Dem Bericht zufolge ist in Köln zum Beispiel für einen 1100-Liter-Container, der vor allem für Mehrfamilienhäuser verwendet wird, pro Jahr 2389 Euro zu zahlen. Im benachbarten Leverkusen kostet dasselbe Angebot 5139 Euro. In Berlin, der Stadt mit den niedrigsten Gebühren, müssen die Bewohner dafür 1138 Euro im Jahr zahlen, in Mönchengladbach sind es 6533 Euro. Ein Unterschied von stolzen 474 Prozent.

Ein Sprecher der Stadt Mönchengladbach verteidigt die hohen Gebühren mit dem Hinweis, dass der Sperrmüll im Gegenzug umsonst sei. Außerdem würden alte Weihnachtsbäume im Januar gratis abgeholt.

Laut der Experten der Studie lassen die extremen Preisunterschiede nur den Schluss zu, dass manche Kommunen für die Müllentsorgung mehr Geld als nötig verlangen. Der Bund der Steuerzahler, der vor kurzem die Abfallgebühren in Nordrhein-Westfalen miteinander verglich, spricht von einem ähnlichen Ergebnis. Danach hätten die Abfallwirtschaftsbetriebe viele Möglichkeiten, die Gebührenlast für die Bürger zu senken.

Eine Sprecherin des Deutschen Städte- und Gemeindebundes kritisierte, dass bei dem bundesweiten Vergleich Äpfel mit Birnen verglichen würden. Es gebe schließlich strukturelle Unterschiede zwischen Ballungszentren und ländlichen Regionen. Experten halten diese Kritik allerdings für falsch, da die Siedlungsstruktur keinen Einfluss auf die Gebührenhöhe habe.

Laut Statistischem Bundesamt sind die Kosten für Müll in den vergangenen zehn Jahren um 36,5 Prozent gestiegen. Vor wenigen Tagen kündigte der Städte- und Gemeindebund einen weiteren Anstieg der Gebühren an. Grund sei die starke Zunahme der illegalen Abfallentsorgung: Bisher müssten die Kommunen dafür 800 Millionen Euro im Jahr aufbringen, ab 2010 sei mit einer Milliarde Euro zu rechnen. Die Mehrkosten würden dann auf die Gebührenzahler umgelegt.