Steuerbehörde macht Niedersachsen zum Libanesen 

Seit August verschickt das Bundeszentralamt für Steuern die neue Steuer-Identifikationsnummer an sämtliche Einwohner Deutschlands. Wie die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Onlineausgabe berichtet, sollen bis zum Jahresende 80 Millionen Briefe rausgeschickt werden. Die neue Nummer mit elf Ziffern wird nach einer Übergangszeit die derzeitige klassische Steuernummer ersetzen, die bislang jeder von seinem örtlichen Finanzamt zugeteilt bekam.

Das Bundeszentralamt verspricht sich eine leichtere Handhabung der Steuernummer, da diese ein Leben lang gleich bleibt – auch wenn man den Wohnort wechselt. Doch der Auftakt ist offenbar wenig geglückt, zumindest in der niedersächsischen Stadt Stade.

Als der in Celle geborene Erste Stadtrat Dirk Kraska letzten Freitag den Brief mit seiner neuen Steuer-Identifikationsnummer erhielt, staunte er nicht schlecht: Das Amt hatte aus ihm einen Libanesen mit dem Namen Solonin gemacht. Wie ihm erging es vielen anderen Bürgern in der Stadt. So wurde beispielsweise aus einer deutschen Elfjährigen eine Russin, die bereits verheiratet war.

Wo der Grund für die Verwechslung liegt, ist bisher nicht geklärt. Nach Ansicht von Kraska habe es auch in diversen anderen Gemeinden große Probleme gegeben. Allein in Stade betraf es seinen Angaben nach Anfang letzter Woche 1600 Bürger. Das weist jedoch das Bundesfinanzministerium, dem das Bundeszentralamt für Steuern unterstellt ist, zurück:

"Natürlich war hier und da mal ein Name falsch geschrieben, oder die Adresse stimmte nicht, aber das waren alles nur Einzelfälle", sagte ein Ministeriumssprecher.

Die Meldeämter hatten in den vergangenen Monaten die Daten über die bei ihnen gemeldeten Einwohner an das Bundeszentralamt geschickt. Daraufhin vergab das Zentralamt die neuen Identifikationsnummern. "Das geschieht alles automatisch, die Angaben werden nicht mehr geprüft", sagte der Ministeriumssprecher. Für die Panne in Stade könnte eine falsche Software die Ursache sein.