Studie: Deutsche für progressive Einkommenssteuer 

Die deutsche Bevölkerung hält Umverteilung und progressive Einkommens-steuer mehrheitlich für gerecht. So lautet das Ergebnis der Studie "Ethik-Monitor", welche die Universitäten Bamberg und München zusammen mit dem Marktforschungsinstitut TNS Emnid durchgeführt haben. Sie hat versucht, ein systematisches Bild dessen zu zeichnen, was sich die Deutschen unter Verteilungsgerechtigkeit vorstellen.

Durchschnittlich waren die Befragten dafür, das Einkommen erst ab einer Höhe von knapp 3 000 Euro anzutasten. Niedrige Einkommen wurden durchweg auf über 1000 Euro aufgestockt. Umgekehrt wäre ein Spitzensteuersatz von 50 Prozent und mehr für die Befragten wünschenswert. Eine intensivere Progression entspräche also, folgt man der Studie, eher dem Willen der Wähler als eine Einheitssteuer.

Dabei fielen die Transferzahlungen nach dem Wunsch der Befragten für verschiedene Bevölkerungsgruppen unterschiedlich aus: Einer allein erziehenden Mutter wurde mehr Geld zusätzlich zu ihrem Einkommen übertragen als einer Langzeitarbeitslosen. Insgesamt ergab die Studie eine Umverteilungsquote von durchschnittlich 20 Prozent.

Dabei haben die Forscher nicht direkt nach den Prozentzahlen gefragt, sondern ein Modell entwickelt: Sie drückten den Probanden je 15 000 Euro Spielgeld in die Hand und forderten sie auf, das Geld auf die Konten einer Mini-Gesellschaft aus fünf Menschen zu verteilen, von denen drei arbeiten und zwei arbeitslos sind. Wie viel Geld die Erwerbstätigen verdienen, was für Aufgaben sie sonst zu schultern haben und warum die Arbeitslosen arbeitslos sind, variierten die Forscher systematisch, so dass insgesamt 24 Szenarien abgefragt wurden.

"Wir haben die Leute nicht nach ihrem favorisierten Steuermodell gefragt oder nach ihrer Meinung zum Spitzensteuersatz, denn wir wollten bestimmte Begriffe aus der politischen Diskussion vermeiden", erläutert der Leiter der Studie Prof. Joachim Behnke.

An der repräsentativen sozialwissenschaftlichen Werte-Studie nahmen 1 003 Befragte teil. Ihre Ergebnisse wurden im Handelsblatt veröffentlicht, dem sie bisher exklusiv vorliegen. Die Studie soll alle zwei Jahre wiederholt werden und langfristig offen legen, wie die Deutschen Gerechtigkeit definieren.