Deutsche wollen früher in Rente 

Das ideale Renteneintrittsalter für die meisten Deutschen ist 59 Jahre. Das ist eines der Ergebnisse des zum dritten Mal aufgelegten "AXA

Ruhestand-Barometer", einer repräsentativen, internationalen Studie

über Erwartungen, Wünsche und Einstellungen von Erwerbstätigen und

Ruheständlern im Hinblick auf den Lebensabschnitt "Ruhestand". Die

Studie, die die Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung

(GfK) im Auftrag der AXA in insgesamt 16 Nationen durchgeführt hat,

wurde heute auf einer Pressekonferenz in Köln vorgestellt. Für den

Deutschlandvergleich wurden dabei Aussagen von insgesamt 8.342

Befragten in zehn Ländern herangezogen.

Beim derzeit äußerst kontrovers diskutierten Thema "Renteneintrittsalter" zeigen sich die Deutschen immer noch relativ

optimistisch. So erwarten die deutschen Erwerbstätigen, mit 63 Jahren

in den Ruhestand zu gehen; mit 64 jedoch soll spätestens Schluss sein

mit dem Arbeitsleben. Die "Rente mit 67" lehnt die Mehrheit der

Deutschen nach wie vor vehement ab: 73 Prozent der befragten

Erwerbstätigen sprechen sich gegen das Anheben der Altersgrenze aus -

damit liegen die Deutschen im internationalen Vergleich an der

Spitze.

Im Gegensatz zu früheren Generationen sichert die Rente für die künftigen Ruheständler nicht mehr die Jahre zwischen

dem Ende der Arbeitsfähigkeit und dem Tod, sondern das Erleben steht

im Vordergrund. So lehnen zum Beispiel 65 Prozent der befragten

Erwerbstätigen und 90 Prozent der Ruheständler eine bezahlte

Tätigkeit im Ruhestand ab. Die Studie zeigt ebenfalls eine kritische

Einstellung der Deutschen gegenüber den vorhandenen staatlichen

Sicherungsinstrumenten: 99 Prozent aller befragten Erwerbstätigen

sehen das deutsche Sozialversicherungssystem in der Krise. Auch im

internationalen Vergleich hegen die Deutschen diesbezüglich neben den

Japanern die größten Bedenken. Je jünger

die Befragten sind, desto weniger glauben sie daran, dass das

Rentensystem in Zukunft noch Bestand haben wird.

54 Prozent - zehn Prozentpunkte mehr als 2005 - der deutschen

Erwerbstätigen sagen aus, gut über ihr zukünftiges Renteneinkommen

informiert zu sein. Allerdings gibt gleichzeitig ein Drittel der

Befragten an, noch keinerlei finanzielle Vorkehrungen getroffen zu

haben und dies im Durchschnitt erst mit 48 Jahren tun zu wollen.

Diejenigen, die vorsorgen, tun dies im statistischen Mittel (Median)

mit monatlich rund 150 Euro. Das bedeutet bei exakter Betrachtung

allerdings, dass 50 Prozent der befragten Erwerbstätigen sogar

weniger als diesen Betrag für den Ruhestand ansparen.

Insgesamt zeigt die Studie, dass sich die Deutschen zwar des

Rentenproblems bewusst sind, aber immer noch zögern, die notwendigen

Konsequenzen zu ziehen. Denn auch wenn mittlerweile 70 Prozent der

befragten Erwerbstätigen sich selbst in der Verantwortung für die

Altersvorsorge sehen, sind immer noch 76 Prozent der Meinung, dass

vorrangig der Staat sich um die Rente kümmern müsse. Diese Auffassung ist nach Auffassung von Finanzexperten jedoch gefährlich, da sich dadurch ein Großteil der heutigen jungen Generation im Alter mit einem erheblichen Versorgungsdefizit konfrontiert sehen werde.

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