Europäer unterschätzen Vorsorgeproblematik 

In Frankreich sind betriebliche und private Altersvorsorge nur wenig verbreitet. 84 Prozent der Franzosen erwarten Kürzungen der staatlichen Renten, aber nur 40 Prozent sorgen zusätzlich vor, wie das Vorsorge-Barometer Europa des Fondsanbieters Fidelity zeigt. Damit bestehen gravierende Unterschiede zum Vorsorgeverhalten in Deutschland.



Wie die Studie ergab, gehören Frankreichs Bürger zu den Europäern, die sich bisher am wenigsten auf mögliche künftige Einschnitte bei der staatlichen Rente eingestellt haben. In Frankreich sorgen nur 31 Prozent der Erwachsenen privat vor und nur 12 Prozent über den Arbeitgeber. Eine Minderheit von gerade einmal 3 Prozent kann sowohl Produkte zur betrieblichen Altersversorgung als auch zur privaten Altersvorsorge vorweisen. Frankreich zählt damit neben Spanien und Italien zu den Ländern mit den niedrigsten Werten.



Als Hauptgründe dafür, dass sie mit der Vorbereitung der Altersvorsorge noch nicht begonnen haben, nennen die Franzosen fehlende finanzielle Mittel, die Tatsache, dass sie sich zu jung fühlen oder sie sich auf die Ausbildung ihrer Kinder konzentrieren. Zudem fühlen sich die Bürger schlecht informiert: 55 Prozent von ihnen stufen sich als nicht gut informiert ein; in Deutschland beträgt dieser Anteil dagegen nur 25 Prozent.



Die Deutschen gingen aus dem Fidelity Vorsorge-Barometer Europa als fleißige, aber ängstliche Altersvorsorgesparer hervor. Rund drei Viertel von ihnen (77 Prozent) haben sich nach eigenen Angaben schon für ein Vorsorgeprodukt entschieden; 71 Prozent zur Privatvorsorge, 35 Prozent zur Altersversorgung über den Betrieb - und 28 Prozent für beides.



Große Übereinstimmung zwischen Deutschen und Franzosen gibt es bei der Einstellung zum Thema Altersvorsorge. Jeweils mehr als der Hälfte der Bevölkerung ist das Thema Altersvorsorge lästig. Ebenfalls in beiden Ländern herrscht eine erhebliche Risikoscheu bei Geldanlagen vor. In Frankreich tendieren 82 Prozent der Befragten trotz niedriger Verzinsung zu Produkten, die eine möglichst hohe Sicherheit versprechen. Die Franzosen sind damit die Europäer mit der größten Angst vor einem möglichen Wertverlust ihrer Anlagen. Die Deutschen folgen mit geringem Abstand (78 Prozent) und weisen damit ein fast ebenso defensives Anlageverhalten auf.



"Deutsche wie Franzosen verzichten gleichermaßen auf Rendite, indem sie auf konservative Sparformen setzen. Diese sind zum Aufbau eines privaten Zukunftsvermögens allerdings nur sehr eingeschränkt geeignet. Wer seine Vorsorge stattdessen motiviert angeht sowie aussichtsreiche Geldanlagen nutzt, hat gute Chancen auf Vermögenszuwächse", so Alfred Strebel, Sprecher der Geschäftsführung von Fidelity International.



Für das Fidelity Vorsorge-Barometer Europa befragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Sofres im Auftrag von Fidelity International in acht europäischen Ländern jeweils eine repräsentative Gruppe von circa 500 berufstätigen Personen über 18 Jahren.

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