Gesundheitsreform reißt Loch in Rentenkasse 

Die Beschlüsse der großen Koalition zur

Gesundheitsreform reißen ein neues Loch in die Rentenkasse. Wie

stern.de, der Onlinedienst des Hamburger Magazins stern, berichtet,

kosten die 2007 geplante Steigerung der Krankenkassenbeiträge um 0,5

Prozentpunkte die Rentenversicherung 500 Millionen Euro im Jahr. Das

haben Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung ergeben.



Für pflichtversicherte Rentner zahlt die Rentenkasse faktisch den

Arbeitgeberanteil, freiwillig Versicherte bekommen einen

Beitragszuschuss in Höhe des halben durchschnittlichen

Kassenbeitrages. Die Ausgaben für die Krankenversicherung der Rentner

betrugen im vergangenen Jahr 14,3 Milliarden Euro.

Das neue Loch verschärft vor allem die Finanznot der Rentenkasse

im Jahr 2008. Für das nächste Jahr hat die große Koalition schon eine

Beitragserhöhung um 0,4 Prozentpunkte auf 19,9 Prozent beschlossen.

Für das Jahr 2008 hatte der Schätzerkreis im Mai vor einer drohenden

Beitragserhöhung auf bis zu 20,2 Prozentpunkte gewarnt. Als

Alternative dazu sind in der großen Koalition höhere Zuschüsse aus

dem Bundeshaushalt vorgesehen. Da Finanzminister Peer Steinbrück im

Jahr 2008 bereits 1,5 Milliarden Euro Zuschüsse für die Finanzierung

der Krankenversicherung der Kinder aufbringen muss, würden sich aber

die Probleme für den Bundeshaushalt weiter verstärken.

Darüber hinaus hat der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur

Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bert Rürup, seine Kritik an der Gesundheitsreform der Großen Koalition

verschärft. In der gedruckten Ausgabe des stern rügte der Chef der "Fünf

Weisen", dass die Regierung den Krankenkassen erst die

Tabaksteuergelder kürzt und dann wieder Haushaltsmittel für die

Kinderversicherung zuschießt: "Das ist rein in die Kartoffeln, raus

aus den Kartoffeln." Union und SPD hatten im Herbst beschlossen, den

Kassen die Zuweisungen von 4,2 Milliarden Euro zu streichen und

wollen nun wieder Zuschüsse von 1,5 Milliarden bzw. drei Milliarden

Euro (2008/2009) einführen.

Rürup kritisierte auch, dass sich die Koalition nicht zu einer

größeren Umfinanzierung entschlossen habe: "Versicherungsfremde

Leistungen sollten, so sie als gesamtgesellschaftlich unverzichtbar

angesehen werden, nicht nur von den Beitragszahlern, sondern von

allen Steuerzahlern getragen werden." Ein solches Vorgehen könne

sogar neue Jobs schaffen: "Eine damit verbundene Steuererhöhung kann,

wenn damit die Beitragssätze sinken, zu positiven

Beschäftigungseffekten führen", sagte der Wirtschaftsprofessor im

stern.

Mit den beschlossenen Beitragserhöhungen gehe die Koalition den umgekehrten Weg: "Es ist prekär, dass eine Regierung, die angetreten

ist, die Lohnnebenkosten zu senken, sie jetzt erhöht." Insgesamt sei

der Reformplan der großen Koalition ein "Kompromiss eines wahrlich

kleinen gemeinsamen Nenners".

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