Der Ombudsmann der Versicherungen, Günter Hirsch, kämpft mit erheblichen Kapazitätsproblemen. "Wir sind quasi Opfer des eigenen Erfolges", sagt der Schlichter der Versicherungsbranche, Günter Hirsch, in einem aktuellen Interview mit dem Anlegermagazin "Börse Online". Im vergangenen Jahr gingen bei der Beschwerdestelle 17.592 Anträge ein - nur unwesentlich weniger als im bisherigen Rekordjahr 2006. 2005 hatten sich dagegen lediglich 10.888 Hilfesuchende Kunden gemeldet. "Ich glaube nicht, dass die Zahl jemals wieder auf das alte Niveau zurück fällt", vermutet Hirsch. Die Beschwerdestelle werde immer akzeptierter und bekannter. "Immerhin gibt es mittlerweile in vielen Vertragsbedingungen einen Verweis auf uns", betont der Versicherungsombudsmann.
Hirsch, ehemaliger Präsident des Bundesgerichtshofs, hatte am 1. April die Nachfolge von Wolfgang Römer angetreten. Römer, früher ebenfalls Bundesrichter, hatte das Amt seit Gründung im Jahr 2001 inne. Der Ombudsmann mit Sitz in Berlin schlichtet zwischen Kunden und Versicherungsunternehmen. Ausgenommen sind lediglich private Kranken- und Pflegepolicen, für die es einen eigenen Ombudsmann gibt.
Durch die steigende Zahl der Beschwerden verlängerte sich die durchschnittliche Bearbeitungszeit im vergangenen Jahr von 2,8 auf 4,0 Monate. "Dem muss unsere Aufmerksamkeit gelten", erklärt Hirsch gegenüber "Börse Online". Möglicherweise müsse man Abläufe umorganisieren und neue Mitarbeiter einstellen. "Ich bin zuversichtlich, dass das nötige Geld zur Verfügung gestellt wird", betont er. Die Schlichtungsstelle beschäftigt etwa 30 Angestellte und wird von der Versicherungswirtschaft finanziert. Trotz dieser Konstruktion betrachtet sich Hirsch als unabhängig: "Der Ombudsmann muss qua Amtes zwischen allen Stühlen sitzen. Rutscht er auf einen der Stühle, verliert er den Halt."